
Dudi und Julla sind Gripiboggos.
Gripiboggos sind Naturwesen, die dort leben, wo Menschen selten hinkommen: im dichten Unterholz, zwischen Wurzeln, Farnen, Brombeerranken und umgestürzten Baumstämmen. Sie mögen es feucht, grün und ein wenig unordentlich.
Dudi und Julla brauchen nicht viel.
Eine trockene Hausung. Etwas zu essen. Einen stillen Platz. Und möglichst niemanden, der ihnen erklärt, was sie alles noch wissen sollten.
Denn Gripiboggos sind nicht gerade für ihren Wissensdurst bekannt.
Wenn einer von ihnen gefragt wird, ob er etwas Neues lernen möchte, lautet die Antwort meistens:
„Wozu?“
Und wenn es darauf tatsächlich eine gute Antwort gibt, sagt er:
„Vielleicht morgen.“
Dudi und Julla bilden da keine Ausnahme.
Ihre liebste Jahreszeit ist der Herbst.
Nicht wegen der Farben.
Nicht wegen des wunderbaren Duftes nach feuchter Erde und Laub.
Und schon gar nicht, weil man im Herbst besonders gut über die Vergänglichkeit des Lebens nachdenken kann.
Sondern wegen der Äpfel und der Walnüsse.
An diesem Morgen machten sich die beiden auf den Weg zum alten Apfelgarten am Waldrand. Sie kannten dort jeden Baum und wussten genau, unter welchem die süßesten Äpfel lagen.
In den Baumkronen ging es bereits lebhaft zu.
Ein Eichelhäher hatte einen Apfel entdeckt und hackte so ungeniert hinein, als hätte er den ganzen Garten gepachtet.
„Der nimmt sich aber viel“, murmelte Julla.
„Wir nehmen auch welche“, sagte Dudi.
„Aber nur die, die unten liegen.“
So hielten es die Gripiboggos immer. Sie pflückten keine Äpfel vom Baum. Was der Herbst freiwillig auf die Erde legte, genügte ihnen.
Dudi hob einen roten Apfel auf, betrachtete die Druckstelle und biss auf der anderen Seite hinein.
Julla sammelte zwei kleinere.
Mehr brauchten sie für diesen Tag nicht.
An einem überreifen Apfel saßen Hornissen und fraßen mit solcher Entschlossenheit, dass Dudi einen respektvollen Bogen um sie machte.
„Den können sie haben.“
Julla widersprach nicht.
Danach gingen sie weiter zum alten Walnussbaum.
Bei den Nüssen waren die beiden weniger genügsam.
Äpfel gab es nur für heute und vielleicht morgen. Walnüsse aber bedeuteten Winter.
Also sammelten sie.
Und sammelten.
Und sammelten noch ein bisschen.
Dudi kroch unter die tiefen Zweige. Julla durchsuchte das Laub. Jede gute Nuss kam in ihren Sack, jede taube flog wieder hinaus.
Da hörte Julla etwas.
Ein ganz leises Rascheln.
„Dudi.“
„Hm?“
„Da ist was.“
Unter einem zusammengerollten Blatt lag ein Käfer.
Er versuchte davonzukrabbeln, kam aber kaum vorwärts. Eines seiner Beine stand sonderbar ab.
Dudi beugte sich hinunter.
„Kaputt.“
„Das sehe ich.“
Damit war das Wissen der beiden allerdings erschöpft.
Sie wussten, wie man gute Walnüsse von schlechten unterschied.
Sie wussten, wo die besten Äpfel lagen.
Sie wussten, wie man eine Hausung gegen Regen abdichtete.
Aber sie hatten keine Ahnung, was man mit einem verletzten Käferbein machte.
„Vielleicht lassen wir ihn einfach hier“, sagte Dudi.
Julla schaute den Käfer an.
Der Käfer versuchte wieder aufzustehen.
Und fiel um.
„Nein.“

Auf einem Ast über ihnen saß eine Amsel.
Sie hatte die beiden schon eine ganze Weile beobachtet.
„Ihr könntet das Bein stützen“, sagte sie.
Dudi sah hinauf.
„Wie?“
Die Amsel hüpfte vom Ast herunter.
Sie zeigte ihnen einen dünnen, geraden Pflanzenstängel.
„So etwas braucht ihr. Nicht zu dick.“
Dann zeigte sie ihnen eine lange, weiche Grasfaser.
„Und damit befestigt ihr ihn. Vorsichtig.“
Dudi und Julla hörten zu.
Das kam bei Gripiboggos nicht häufig vor.
Julla suchte den passenden Stängel.
Dudi fand eine weiche Faser.
Die erste war zu kurz.
Die zweite riss.
Der Stängel war zunächst zu dick.
Also mussten sie einen anderen suchen.
Sie probierten noch einmal.
Diesmal hielt Julla das winzige Bein, während Dudi die Faser darumlegte.
Es war eine erstaunlich schwierige Arbeit.
Und eine erstaunlich interessante.
Schließlich saß die kleine Schiene.
Der Käfer blieb eine Weile still.
Dann setzte er vorsichtig ein Bein vor das andere.
Er fiel nicht um.
Dudi sah ihm nach.
„Das haben wir gemacht.“
„Die Amsel hat es uns gezeigt.“
„Aber wir haben es gemacht.“
Auf dem Heimweg trug Dudi den Nusssack und Julla die drei Äpfel.
Eine Weile gingen sie schweigend.
Dann sagte Dudi:
„Wenn wir das nicht gelernt hätten, hätte der Käfer jetzt immer noch sein krummes Bein.“
„Ja.“
Wieder gingen sie ein Stück.
„Vielleicht gibt es noch andere Sachen, die man brauchen kann.“
Julla sah ihn an.
Das war für einen Gripiboggo ein ungewöhnlicher Gedanke.
„Bestimmt.“
Dudi dachte darüber nach.
„Aber nicht heute.“
„Nein“, sagte Julla. „Heute haben wir genug gelernt.“
Und darin waren sie sich vollkommen einig.
Das Entscheidende daran gefällt mir besonders: Dudi und Julla werden am Ende nicht plötzlich wissbegierig oder begabt. Das wäre unglaubwürdig. Es entsteht nur ein winziger Riss in ihrem alten „Wozu?“.
Sie entdecken erstmals die Antwort:
Manchmal lernt man etwas nicht, um klüger zu sein. Man lernt es, weil man es eines Tages für jemanden brauchen könnte.
Dudi‘s and Julla‘s Autumn Song
https://youtu.be/Q7Bu-tzIG_U?is=gn-DuchQqm1FjdsB
Verse 1
Down where the brambles grow tangled and deep,
Dudi and Julla have no need to keep
plans for tomorrow or dreams of the sky —
an apple has fallen.
That’s reason enough to get by.
Chorus
Apple for breakfast, walnuts for snow,
take what you need and let the rest grow.
No need for hurry, no need to know all —
the best little treasures
are those that just fall.
Verse 2
Jays taste the apples without asking why,
hornets come buzzing and want their supply.
Dudi says, “Leave them. There’s plenty for all.”
Julla finds three good ones
under the wall.
Chorus
Apple for breakfast, walnuts for snow,
take what you need and let the rest grow.
No need for hurry, no need to know all —
the best little treasures
are those that just fall.
Verse 3
Then by the walnut tree, under a leaf,
somebody tiny is limping with grief.
“What should we do?” — and for once they don’t know.
A blackbird says softly,
“I’ll show you. Like so.”
Bridge
A stem for a splint,
a grass thread wound light,
steady and gentle —
yes, that looks right.
Dudi looks puzzled.
Julla looks too:
“Learning is useful
when someone needs you.”
🍎 Was im Apfel steckt
Äpfel bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und liefern Kohlenhydrate, vor allem natürlichen Fruchtzucker. Außerdem enthalten sie Ballaststoffe, darunter Pektin, sowie Vitamin C und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.
Besonders interessant: Viele wertvolle Pflanzenstoffe sitzen in oder direkt unter der Schale. Deshalb ist ein gut gewaschener Apfel mit Schale eine gute Wahl.
Ein Apfel ist also ein unkomplizierter Snack: saftig, sättigend, gut mitzunehmen – und er muss nicht erst verarbeitet werden.
🌰 Warum Walnüsse so wertvoll sind
Walnüsse sind ganz anders zusammengesetzt. Sie enthalten wenig Wasser, dafür reichlich Fett und Energie. Besonders bemerkenswert sind ihre mehrfach ungesättigten Fettsäuren; Walnüsse gehören außerdem zu den pflanzlichen Quellen der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure (ALA).
Dazu kommen Eiweiß, Ballaststoffe sowie verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente.
🍏 Gripiboggo-Snack: Apfel-Nuss-Häppchen
Ganz ohne Kochen:
- getrocknete Apfelringe
- Walnüsse
- nach Wunsch ein paar Rosinen, getrocknete Birnen oder Zwetschken
Einen Apfelring mit einem Stück Walnuss zusammen essen – fertig. Wer möchte, kann die Zutaten auch klein schneiden und als Gripiboggo-Waldmischung in ein Glas füllen.
Trockenobst ist Obst ohne einen großen Teil seines Wassers. Dadurch wird es kleiner und leichter, aber Zucker und Energie sind auf weniger Gewicht konzentriert. Deshalb braucht man davon meist deutlich weniger als von frischem Obst.
Und ein wirklich einfaches Rezept: warmer Apfel mit Walnuss
Einen Apfel halbieren, Kerngehäuse entfernen, gehackte Walnüsse in die Vertiefung geben und etwas Zimt darüberstreuen. Im Backrohr weich backen.
Kein zusätzlicher Zucker nötig – der Apfel bringt seine Süße selbst mit.