
Vizzli ist ein junges Wal-Da-Ho-Mädchen und lebt zurückgezogen an einem kleinen Waldbach. Wie alle Wal-Da-Hos ist sie sehr scheu, feinfühlig und empfindlich gegenüber allem Groben – gegen Lärm, hastige Bewegungen, achtloses Trampeln, ruppige Worte und unnötige Eingriffe in die Natur.
Sie hat wildes, leuchtend rot-orangefarbenes Haar, das beinahe wie ein kleines Geflecht aus Blättern, Federn und Flammen wirkt. Ihre Kleidung besteht aus natürlichen Materialien in warmen Rot-, Orange-, Grün- und Blautönen. Vizzli wirkt zart und verspielt, zugleich aber wach und aufmerksam. Ihre großen Augen beobachten viel, und oft merkt sie Dinge, die andere längst übersehen haben.
Menschen gegenüber ist Vizzli äußerst vorsichtig. Nicht weil sie sie grundsätzlich ablehnt, sondern weil Menschen ihr oft zu laut, zu schnell und zu grob erscheinen. Kleine Tiere dagegen haben keine Scheu vor ihr. Frösche und Erdkröten gehören zu ihren besonderen Freunden, aber auch Käfer, Schnecken, Vögel und andere Waldbewohner sind für Vizzli keine nebensächlichen Kreaturen. Sie nimmt jedes einzelne Tier ernst.
Besonders liebt Vizzli die Vogelstimmen. Sie kennt viele Rufe und Gesänge und bemerkt sofort, wenn an ihrem Bach eine vertraute Stimme fehlt oder ungewöhnlich klingt. Für sie besteht der Wald aus unzähligen Stimmen, Bewegungen und kleinen Zeichen.
Vizzli möchte später einmal Behüterin werden. Ein Behüter ist bei den Wal-Da-Hos nicht einfach jemand, der Tiere rettet. Behüter beobachten, achten auf Lebensräume und versuchen zu erkennen, wann wirklich Hilfe gebraucht wird. Dabei gilt: Nicht jedes Tier, das klein oder hilflos aussieht, braucht menschliches – oder Wal-Da-Ho-haftes – Eingreifen.
Genau das muss Vizzli noch lernen. Ihr erster Impuls ist oft, sofort zu helfen. Doch nach und nach entdeckt sie, dass gutes Behüten auch bedeutet, still zu werden, genau hinzusehen und manchmal nichts zu tun.
Vizzli unterhält sich gern mit Professor Wurzelbart, dessen Wissen und ruhige Art sie schätzt. Er kann für sie später zu einem erfahrenen Gesprächspartner und vielleicht auch zu einer Art Mentor werden – ohne dass Vizzli dadurch ihre Eigenständigkeit verliert.
Was Vizzli besonders auszeichnet, ist ihre Aufmerksamkeit für das Kleine.
Während andere vielleicht einen ganzen Wald sehen, entdeckt Vizzli den einzelnen Frosch unter einem Blatt, den Käfer auf einem Stein, die trockene Stelle am Bach oder den Vogel, dessen Stimme plötzlich fehlt.
Vielleicht ist genau das ihre größte Begabung:
Vizzli sieht, was leicht übersehen wird.
WAL-DA-HOS – scheue, feinfühlige Naturwesen der LiHoFaBo-Welt. Sie leben bevorzugt an stillen Waldplätzen, Bächen, moosigen Ufern und anderen wenig gestörten Lebensräumen. Wal-Da-Hos reagieren sehr empfindlich auf Lärm, Grobheit, hastige Bewegungen und achtlose Eingriffe in die Natur und halten sich deshalb von Menschen meist fern.
Sie besitzen ein besonders feines Gespür für Tiere, Pflanzen und Veränderungen in ihrer Umgebung. Kleine Tiere vertrauen ihnen häufig; Frösche, Erdkröten, Käfer, Vögel und andere Waldbewohner gehören zu ihren natürlichen Gefährten. Viele Wal-Da-Hos entwickeln später eine Aufgabe als Behüter: Sie beschützen nicht einfach einzelne Tiere, sondern achten darauf, dass deren Lebensräume erhalten und im Gleichgewicht bleiben.
Bekannter Wal-Da-Ho: Vizzli, der an einem Waldbächlein lebt, Vogelstimmen liebt und selbst einmal Behüter werden möchte.
Doch nun zu einer Geschichte.
Vizzli kannte jede Stimme am Bach – nur die der Menschen mochte er nicht besonders.
Sie wusste, wann die Wasseramsel morgens auf ihrem Stein landete, hörte, wenn die Meise im Haselstrauch schimpfte, noch bevor er sie sah. Und sie konnte ziemlich genau unterscheiden, ob ein Frosch bloß vor sich hin brummte oder ob er wirklich etwas zu sagen hatte.
Vizzli lebte dort, wo der Wald ein wenig dichter wurde und ein schmales Bächlein zwischen Moos, Wurzeln und Steinen hindurchlief.
Ihre Behausung war von außen kaum zu erkennen. Ein paar Wurzeln, Farn, ein schiefer Stein – mehr sah ein Mensch nicht.
Und das war Vizzli sehr recht.
Mit Menschen hatte sie es nicht so.
Sie waren laut. Sie gingen oft viel zu schnell. Sie traten auf Dinge, die sie nicht bemerkten. Und manchmal nahmen sie etwas mit, nur weil es hübsch war.
Die Tiere dagegen verstanden Vizzli.
Oder vielleicht verstand Vizzli einfach die Tiere.
An diesem Morgen saß sie am Bachrand und hörte den Vögeln zu, als ihm etwas auffiel.
Es fehlte eine Stimme.
Vizzli legte den Kopf schief.
Wasseramsel.
Rotkehlchen.
Zaunkönig.
Zwei Meisen.
Ein ziemlich aufgeregter Kleiber.
Alles da.
Aber vom kleinen Tümpel hinter den Erlen kam nichts.
Kein Quaken.
Kein Platschen.
Nicht einmal das leise Rascheln einer Erdkröte.
Vizzli stand auf.
„Das gefällt mir nicht.“
Sie schlüpfte zwischen den Farnen hindurch und lief zu der Stelle, an der sich nach Regen immer ein flacher Tümpel bildete.
Doch der Tümpel war fast verschwunden.
Ein großer Ast lag quer darüber. Blätter, Schlamm und kleine Steine hatten sich dahinter gesammelt. Das Wasser konnte kaum noch zufließen.
Am Rand saß Kröte Maraa.
Sie saß sehr still.
„Maraa?“
Die Kröte blinzelte.
„Zu trocken“, sagte sie.
Vizzli kniete sich hin.
Zwischen den feuchten Blättern entdeckte er zwei winzige Frösche. Weiter hinten steckte noch einer unter einer Wurzel.
Vizzlis Herz klopfte.
Sie wollte sofort loslegen.
Den Ast wegziehen.
Steine werfen.
Wasser umleiten.
Alles retten.
Doch dann erinnerte sie sich an Professor Wurzelbart.
Prof. Wurzelbart sagte oft:
„Wer behüten will, muss zuerst schauen. Dann verstehen. Und erst dann handeln.“
Vizzli mochte diesen Satz nicht immer.
Vor allem dann nicht, wenn sie es eilig hatte.
Aber diesmal setzte sie sich hin.
Sie schaute.
Sie wartete.
Sie beobachtete das Wasser.
Bald bemerkte sie, dass der große Ast gar nicht das eigentliche Problem war. Unter ihm hatte sich ein kleiner Wall aus Erde gebildet. Wenn er bloß den Ast entfernte, würde der Schlamm in den Tümpel rutschen.

Also lief Vizzli zu Prof. Wurzelbart.
Der wohnte nicht weit entfernt, in einer alten Wurzelhöhlung unter einer mächtigen Buche.
„Professor!“
„Hm?“
„Der Krötentümpel braucht mich.“
Prof. Wurzelbart blickte über den Rand seiner Brille.
„Braucht er dich?“
Vizzli hielt inne.
„Vielleicht.“
„Das klingt schon besser.“
Gemeinsam gingen sie zum Bach.
Prof. Wurzelbart schaute lange auf die Stelle.
Dann sagte er:
„Was würdest du tun?“
„Den Schlamm vorsichtig öffnen. Aber nur an einer kleinen Stelle. Damit wieder Wasser nachkommt.“
Prof. Wurzelbart nickte.
„Und dann?“
„Warten.“
„Und dann?“
Vizzli seufzte.
„Noch einmal schauen.“
„Sehr gut.“
Also machte Vizzli genau das.
Mit einem dünnen Ast löste sie vorsichtig etwas Erde. Nur ganz wenig.
Zuerst geschah nichts.
Dann rann ein schmales Rinnsal durch die Öffnung.
Es schlängelte sich zwischen den Blättern hindurch und erreichte den Tümpel.
Ein kleiner Frosch sprang hinein.
Plopp.
Dann noch einer.
Plopp.
Maraa hob den Kopf.
„Besser“, sagte sie.
Vizzli strahlte.
Am Abend saß sie wieder am Bach.
Die Wasseramsel war da.
Das Rotkehlchen sang.
Und vom kleinen Tümpel hörte man wieder ein leises, tiefes Quaken.
Prof. Wurzelbart setzte sich neben ihn.
„Na, Vizzli?“
„Was?“
„Willst du immer noch Behüter werden?“
Vizzli sah zum Wasser.
Zu Maraa.
Zu den kleinen Fröschen.
Zu einer Schnecke, die gerade äußerst langsam über einen Stein kroch.
Dann sagte sie:
„Ja.“
„Warum?“
Vizzli dachte nach.
„Weil die Kleinen oft niemand sieht.“
Prof. Wurzelbart lächelte.
„Dann hast du heute schon angefangen.“
Vizzli sagte nichts mehr.
Sie lauschte einfach.
Denn manchmal war das die wichtigste Arbeit eines Behüters.
Wissenswertes über Kröten
Kröten gehören wie Frösche zu den Amphibien. Das bedeutet: Sie leben einen Teil ihres Lebens im Wasser und einen großen Teil an Land.
Kröten sehen Fröschen ähnlich, aber es gibt Unterschiede. Erdkröten haben meist eine eher trockene, warzige Haut, einen gedrungenen Körper und kürzere Hinterbeine. Deshalb springen sie meist nicht so weit wie Frösche, sondern laufen eher oder machen kleine Hüpfer.
Im Frühjahr wandern viele Erdkröten zu ihrem Laichgewässer zurück – oft sogar zu dem Gewässer, in dem sie selbst geschlüpft sind. Dort legen die Weibchen ihre Eier ab. Anders als viele Frösche legen Erdkröten keine großen Laichballen, sondern lange Laichschnüre.
Aus den Eiern schlüpfen kleine schwarze Kaulquappen. Sie leben zunächst ganz im Wasser. Dort raspeln sie Algen von Pflanzen und Steinen ab und fressen außerdem winzige Pflanzenreste und anderes organisches Material.
Nach einigen Wochen verändert sich ihr Körper. Zuerst wachsen Hinterbeine, dann Vorderbeine. Der Schwanz wird immer kleiner, und aus der Kaulquappe wird schließlich eine winzige junge Kröte. Bei Erdkröten dauert diese Entwicklung meist ungefähr zwei bis drei Monate, je nach Wetter, Wassertemperatur und Nahrungsangebot.
Wenn die Verwandlung abgeschlossen ist, verlassen die jungen Kröten das Wasser. Sie sind dann oft erst ungefähr einen Zentimeter groß. Zunächst suchen sie in der feuchten Umgebung Schutz – unter Laub, Wurzeln, Totholz, Steinen oder in dichtem Gras.
Später verteilen sie sich weiter in der Landschaft. Erdkröten verbringen den größten Teil ihres Lebens an Land und können sich mehrere hundert Meter, manchmal sogar einige Kilometer von ihrem Laichgewässer entfernen.
Mit der Verwandlung ändert sich auch ihr Speiseplan. Junge und erwachsene Kröten sind kleine Jäger. Sie fressen unter anderem Insekten, Käfer, Larven, Würmer, Spinnen und auch kleine Schnecken. Ganz junge Kröten beginnen mit besonders winzigen Beutetieren.
Kröten sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Tagsüber verstecken sie sich gern an kühlen, feuchten Orten.
Warum sollte man Kröten nicht einfach anfassen?
Kröten besitzen Hautdrüsen, die ein Abwehrsekret bilden. Besonders auffällig sind die großen Drüsen hinter den Augen. Das Sekret schützt sie vor Fressfeinden.
Für Menschen ist eine kurze Berührung normalerweise nicht gefährlich. Das Sekret sollte aber nicht in Augen, Mund, Nase oder offene Wunden gelangen.
Noch wichtiger ist: Die Haut einer Kröte ist sehr empfindlich. Trockene Hände, Seife, Creme oder andere Stoffe auf unserer Haut können ihr schaden.
Darum gilt:
Kröten am besten anschauen und in Ruhe lassen.
Nur wenn eine Kröte wirklich in Gefahr ist, sollte man sie vorsichtig umsetzen – zum Beispiel von einer Straße weg.
Und keine Sorge: Vom Berühren einer Kröte bekommt man keine Warzen. Das ist nur ein alter Aberglaube.
Warum sind Kröten wichtig?
Kröten gehören zu einem gesunden Lebensraum dazu. Sie fressen viele kleine Tiere und sind gleichzeitig selbst Nahrung für andere Tiere. Sie brauchen Teiche und Tümpel zum Laichen, aber auch feuchte Wiesen, Hecken, Wälder, Gärten und gute Verstecke an Land.
Besonders gefährlich wird es für sie im Frühjahr, wenn sie auf dem Weg zum Laichgewässer Straßen überqueren müssen. Deshalb gibt es vielerorts Krötenzäune, Krötentunnel und Menschen, die den Tieren bei ihrer Wanderung helfen.
Maraa würde vielleicht sagen:
„Wir Kröten brauchen nicht viel. Ein bisschen Wasser, gute Verstecke, genug zu fressen – und Menschen, die hinschauen, bevor sie irgendwo hintreten.“

Wie zeichne ich eine Kröte?
Eine Kröte ist gar nicht so schwer zu zeichnen. Wichtig ist: nicht zu glatt und nicht zu schlank. Kröten wirken eher rund, kräftig und ein bisschen knubbelig.
1. Zeichne den Körper
Male zuerst ein breites Oval. Es darf ruhig etwas plump aussehen.
2. Setze den Kopf darauf
Der Kopf ist breit und geht fast ohne Hals in den Körper über. Zeichne vorne eine flache Rundung.
3. Die Augen
Setze zwei große Augen etwas oben seitlich auf den Kopf. Krötenaugen stehen ein wenig hervor.
Male kleine Pupillen hinein.
4. Die Hinterbeine
Zeichne rechts und links kräftige, angewinkelte Hinterbeine. Sie sind nicht so lang wie bei vielen Fröschen.
5. Die Vorderbeine
Vorne kommen zwei kürzere Beine dazu. Die Zehen dürfen dünn und leicht gespreizt sein.
6. Die Krötenhaut
Jetzt kommt das Wichtigste: Zeichne viele kleine Punkte, Knubbel und Unebenheiten auf Rücken und Seiten.
Aber nicht regelmäßig – die Haut soll natürlich aussehen.
7. Mund und Nase
Zwei kleine Punkte ergeben die Nasenlöcher. Darunter kommt eine eher gerade Mundlinie.
Eine Kröte muss nicht grinsen. Ein leicht ernster Gesichtsausdruck passt sogar besonders gut.
8. Farbe
Für eine Erdkröte kannst du Braun-, Grau-, Beige- und Olivtöne verwenden. Manche Stellen dürfen heller oder dunkler sein.
Die Augen können goldbraun oder kupferfarben wirken.
9. Umgebung dazu
Setze deine Kröte auf:
- einen moosigen Stein,
- unter ein großes Blatt,
- an einen Teichrand,
- zwischen Gras und Laub
- oder natürlich an Vizzlis Waldbächlein.
Merksatz
Breit – rund – kurze Beine – große Augen – knubbelige Haut.
Dann sieht dein Tier schon ziemlich krötig aus.
Und wenn sie besonders würdevoll schaut, könnte es sogar Maraa sein.
