Inhalte: Die LICHTIs helfen Mili-Mau, von Kristallen und Tänzen, Reiseabenteuer in der Wolken-Welt und am Meer
Urfassung Oktober 2012, restaurierte Fassung, Juli 2026
Einleitung
Die Geheimnisse der Lichtwesen

Es gibt Nächte, in denen der Himmel besonders still ist.
Nächte, in denen der Mond wie eine silberne Laterne über den Bergen schwebt und die Sterne ein kleines Stück näher zu rücken scheinen.
Wer dann ganz aufmerksam lauscht, hört vielleicht mehr als nur den Wind.
Denn in solchen Nächten geschehen Dinge, die den meisten Menschen verborgen bleiben.
Die LICHTIs kennen dieses Geheimnis schon seit langer Zeit.
Sie verstehen die Sprache des Mondlichts.
Sie wissen, dass jeder Stein, jeder Baum, jede Blume und jedes Lebewesen seine eigene Geschichte in sich trägt.

Hoch oben in den Bergen, dort, wo die Tannen beinahe den Himmel berühren, versammeln sich die Lichtmännlein und Lichtmädchen.
Auf bunten Filzmatten legen sie ihre Bergkristalle unter den freien Himmel.
Still warten sie, bis das silberne Mondlicht die Kristalle berührt.
Niemand spricht dabei.
Denn manche Geschenke brauchen keine Worte.
Die Kristalle trinken das Licht des Mondes und bewahren etwas von seiner. stillen Kraft.
Doch ein Kristall ist weit mehr als ein schöner Stein.
Er ist ein treuer Begleiter.
Ein Hüter von Erinnerungen.
Ein Bewahrer von Geschichten.
Manche Kristalle tragen alte Heilsprüche in sich.
Andere erinnern an glückliche Stunden.
Wieder andere schenken Mut, wenn das Herz einmal schwer geworden ist.
LICHTI besitzt einen ganz besonderen Kristall.
Er ist weder der größte noch der kostbarste.
Aber vielleicht ist er einer der treuesten.
Er kennt LICHTIs Lachen.
Er kennt seine leisen Fragen.
Er kennt seine Freude über jede Blume, jedes Tier und jedes neue Abenteuer.
Und er kennt auch jene stillen Augenblicke, in denen selbst ein LICHTI einfach nur den Sternen zuhört.
Die Lichtwesen wissen etwas, das viele Menschen mit der Zeit vergessen.
Ein Kristall verstärkt alles, was man ihm anvertraut.
Liebevolle Gedanken beginnen heller zu leuchten.
Freude wird wärmer.
Hoffnung wächst.
Doch auch Sorgen können größer werden, wenn man sie zu lange festhält.
Darum achten die LICHTIs gut auf ihre Gedanken.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Liebe.
Sie lachen miteinander.
Sie tanzen unter dem Mond.
Sie erzählen Geschichten.
Sie helfen Pflanzen und Tieren.
Und wenn sie einem traurigen Herzen begegnen, schenken sie ihm zuerst ihre Zeit.
Denn Trost beginnt selten mit einer Antwort.
Er beginnt fast immer mit einer liebevollen Gegenwart.
Mit einem Blick.
Mit einem Lächeln.
Oder mit den einfachen Worten:
„Ich bin da.“
Und genau so beginnt die Geschichte eines kleinen Mädchens, das alle nur Mili-Mau nannten.

Teil 1 Die Lichtis begegnen Mili-Mau
Mili-Mau und das verborgene Leuchten

Am Rand eines alten Waldes, dort, wo die letzten Sonnenstrahlen mit den Blättern Verstecken spielten, stand eine mächtige Eiche.
Sie war so alt, dass niemand mehr wusste, wie viele Frühlinge sie schon erlebt hatte.
Ihre Wurzeln ruhten tief in der Erde.
Ihre Äste trugen den Himmel.
Unter diesem Baum saß Mili-Mau.
Neben ihr lag ihre kleine weiße Katze Mili, zusammengerollt wie eine flauschige Wolke. Manchmal hob sie den Kopf, blickte das Mädchen an und schnurrte leise. Es klang fast so, als wollte sie sagen:
“Ich bin bei dir.”
Doch Mili-Mau hörte es kaum.
Ihre Gedanken waren weit fort.
Eine Träne fiel auf ein Eichenblatt.
Dann noch eine.
Der Wind nahm sie behutsam mit, als wollte auch er den Kummer ein wenig tragen.
„Warum fühlt sich manches Herz so schwer an?“, flüsterte Mili-Mau.
„Und warum kann ich es sehen, wenn andere es nicht sehen?“
Nicht weit entfernt spielten LICHTI und seine Freunde Reo, Condi, Lilibella und Lichtinchen mit ihren Kristallen.
Plötzlich hielt LICHTI inne.
Er schaute zwischen die Bäume.
„Habt ihr das gesehen?“
„Was denn?“, fragte Reo und hüpfte auf einen bemoosten Stein.
„Ein Licht.“
„Ich sehe gar keines“, meinte Condi und rückte sein hellrotes Baseball-Käppchen zurecht.
LICHTI lächelte.
„Eben darum.“
Lilibella schloss einen Moment die Augen.
Ihre bunten Schleifen bewegten sich kaum sichtbar im Wind.
„Es ist ein stilles Licht“, sagte sie.
„Eines, das sich gerade hinter vielen Tränen versteckt.“
Lichtinchen nickte.
„Es ruft nicht laut.“
„Aber es hofft, gefunden zu werden.“
Gemeinsam gingen die LICHTIs den schmalen Waldpfad entlang.
Sie machten kaum ein Geräusch.
Selbst die Blätter schienen ihnen Platz zu machen.
Als Mili-Mau aufblickte, erschrak sie nicht.
Es war, als hätte sie tief in ihrem Herzen schon gewusst, dass diese kleinen Lichtwesen eines Tages kommen würden.
LICHTI setzte sich einfach neben sie.
Ganz still.
Er sagte nichts.
Er wartete.
Denn manche Herzen beginnen erst zu sprechen, wenn niemand sie drängt.
Nach einer Weile flüsterte Mili-Mau:
„Ich glaube, ich sehe Dinge, die andere nicht sehen.“
„Erzähl uns davon“, sagte LICHTI.
Mili-Mau blickte in die Baumkronen.
„In jedem Menschen leuchtet etwas.“
„Bei manchen ist es hell wie die Morgensonne.“
„Bei anderen glimmt es nur ganz leise.“
„Und manchmal ist dieses Licht fast ganz zugedeckt.“
Sie schwieg.
„Bei Toni-Tobi sehe ich ganz viel Licht.“
„Bei Sambi-Du auch.“
„Und bei Liasara.“
Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Doch gleich darauf wurde es wieder ernst.
„Bei meinen Eltern ist oft alles grau.“
„Bei meinem großen Bruder auch.“
„Bei meiner Oma manchmal ebenfalls.“
„Sogar bei ihrer alten Katze sehe ich dieses Grau.“
Sie presste die Hände ineinander.
„Und manchmal blitzt etwas Rotes auf.“
„Dann tut mir das Herz weh.“
Lichtinchen rückte ein wenig näher.
Ihre drei kleinen Lichtzacken schimmerten wie sanfte Wirbel aus Morgenlicht.
„Ich kenne dieses Gefühl“, sagte sie leise.
„Nicht weil ich dasselbe erlebt habe.“
„Sondern weil ich fühlen kann, was andere Herzen tragen.“
Lilibella legte Mili-Mau eine schimmernde Blüte in die Hand.
„Wer das Licht sehen kann“, sagte sie, „sieht manchmal auch die Schatten.“
„Beides gehört zusammen.“
„Aber keines bleibt für immer.“
Da holte Condi mit einer fast feierlichen Bewegung sein Taschentuch hervor.
„Hier.“
Mili-Mau musste lachen.
„Du hast wirklich immer eines dabei?“
Condi zwinkerte.

„Natürlich.“
„Man weiß doch nie, wann Tränen ihre Reise nach draußen antreten möchten.“
Jetzt lachte sogar Reo so herzlich, dass seine grünen und roten Pünktchen auf seinem Kleidchen fröhlich zu tanzen schienen.
Und plötzlich musste auch Mili-Mau lachen.
Ganz leise zuerst.
Dann ein bisschen lauter.
Es war kein großes Lachen.
Aber eines, das den Wald erreichte.
Die alte Eiche rauschte zustimmend.
Ein Rotkehlchen begann zu singen.
Und irgendwo zwischen den Zweigen glaubte der Wind für einen winzigen Augenblick selbst ein wenig heller geworden zu sein.
LICHTI nickt.
„Ja. Sorge zuerst dafür, dass es dir gut geht. Tu so oft und so viel wie möglich das, was dir Freude bereitet. Wirklich gute Freunde sind ein großes Geschenk. Alles, was uns begegnet, möchte uns etwas lehren.
Und du wirst deinen Weg finden.“
Langsam hört Mili-Mau auf zu weinen.
Sie denkt lange nach.
Dann beginnt sie zu lächeln.
„So habe ich das noch nie gesehen.
Danke.“

Teil 2 Kristalle, die Freunde
Von den Kristallen
Wenn der Vollmond am Himmel steht – und manchmal auch in geheimnisvollen Neumondnächten – können ganz besondere Dinge geschehen.
Beobachtet nur einmal aufmerksam die Natur!
Die LICHTIs wissen schon lange davon. Sie leben nach den alten Weisheiten der LiHoFaBos: Alles, was leuchtet, trägt eine besondere Kraft in sich.
In klaren Vollmondnächten legen sie ihre Bergkristalle auf bunte Filzmatten ins Freie.
Dort dürfen die Steine die silbernen Mondstrahlen aufnehmen. Danach schimmern sie noch ein wenig heller und tragen neue Energie in sich.
Manche LICHTIs bewahren ihre liebsten Kristalle sogar unter ihrem Kopfpolster auf.
Andere speichern Geschichten, Erinnerungen und liebevolle Heilsprüche in ihren Kristallstäben.
Mit diesen Kristallstäben helfen sie Pflanzen und Tieren.

Denn ein guter Gedanke, ein freundliches Wort und ein liebevoller Wunsch können durch einen Kristall verstärkt werden.
Doch die LICHTIs wissen auch:
Mit Kristallen muss man sorgsam umgehen.
Sie verstärken nicht nur das Gute, sondern auch das, was man in seinem Herzen trägt.
Teil 3 Von den Tänzen und Reisen in die Wolkenwelt
Zu Besuch bei den Wolkingern
Während Mili-Mau glücklich ihren Heimweg antrat, setzten LICHTI und seine Freunde ihre Reise fort.
Sie flogen höher und höher, bis sie die Wolken erreichten.
Dort oben lag die geheimnisvolle Wolkenwelt.
Hier lebten ihre guten Freunde, die Wolkinger.
Die Wolkinger sahen aus wie kleine, flauschige Wölkchen mit zarten Ärmchen und Beinchen. Aus ihren fröhlichen Kulleraugen blickten sie neugierig und freundlich in die Welt.
Sie waren fröhliche Gesellen und leisteten den Wolkenkindern gerne Gesellschaft.
Der Wind war ihr bester Freund.
Wenn eine steife Brise über den Himmel strich, ließen sie sich lachend davontragen.
Und wenn einmal ein großer Sturm tobte, kugelten sie sich einfach zusammen und warteten geduldig, bis alles wieder ruhig geworden war.
Die Wolkinger liebten die Sonne.
Sie liebten die Sterne.
Und sie freuten sich über jeden Regenbogen, der den Himmel schmückte.
Ein weicher Wolkenteppich war ihre Bühne.
Dort führten sie ihre Kunststückchen vor.
Sie tanzten.
Sie trällerten.
Sie kugelten kunstvoll über den Wolkenteppich.
Für jedes neue Spiel erfanden sie neue Regeln.
Manchmal hüpften sie nur auf einem Wölkchen.
Dann wieder durften sie sich nur rückwärts rollen.
Ein anderes Mal mussten alle gleichzeitig lachen, bevor das Spiel überhaupt beginnen konnte.
So wurde es den Wolkingern niemals langweilig.
LICHTI, Lilibella, Lichtinchen, Reo und Condi lachten herzlich mit ihren Freunden.
Sie machten Purzelbäume auf den Wolken, rutschten über weiche Wolkenhügel und ließen sich vom Wind sanft tragen.
Als es Zeit wurde weiterzureisen, hatten die Wolkinger noch eine besondere Überraschung vorbereitet.
Mit geschickten Händen bauten sie ihren Gästen eine herrliche Regenbogen-Rutsche.

Sie begann mitten auf einer schneeweißen Wolke und führte in einem großen, leuchtenden Bogen hinunter zur Erde.
„Kommt uns bald wieder besuchen!“, riefen die Wolkinger und winkten mit ihren kleinen Wölkchenärmchen.
„Das versprechen wir!“, riefen die LICHTIs fröhlich zurück.
Mit einem jauchzenden Lachen sausten sie über die schimmernde Regenbogen-Rutsche hinunter.
Doch diesmal landeten sie nicht auf einer Wiese oder in einem Wald.
Ihre Reise führte sie zu einem ganz besonderen Ort.
Weit hinaus aufs Meer.

Teil 4 Ans Meer
Die WASSIs und das funkelnde Meer
Am Ende der schimmernden Regenbogen-Rutsche landeten LICHTI und seine Freunde nicht auf einer Wiese und auch nicht in einem Wald.
Sie waren weit hinaus aufs Meer gereist.
Mitten im Meer warteten schon ihre nächsten Freunde auf sie.
Es waren die fröhlichen WASSIs, die kleinen Wassergeisterchen.
Wie die Lichtmännlein und Lichtmädchen hatten auch sie zackige Köpfchen und lustige Kulleraugen.
Doch alles an ihnen war wässerig.
Ihre Körper schimmerten wie klares Wasser in der Sonne, und auch ihre Kleidchen bestanden aus glitzernden Wasserfarben. Hübsche Wellenmuster schmückten ihre Gewänder.
Die WASSIs führten ein paradiesisches Leben.
Sie konnten ausgezeichnet tauchen.
Sie flogen und hüpften spielend leicht von einer Welle zur nächsten.
Am liebsten aber schaukelten sie auf den Wellen oder ritten lachend über die Schaumkronen des Meeres.
Dabei spritzten überall funkelnde Wassertropfen in die Luft.
Die Delfine kannten die WASSIs schon lange.
Sie konnten die kleinen Wassergeisterchen gut sehen und freuten sich immer über ihren Besuch.
Oft ließen sie zu, dass die WASSI-Kinder auf ihren Rücken kletterten.
Vorsichtig schwammen sie mit ihnen durch die Wellen und drehten fröhliche Runden im glitzernden Meer.
Die WASSIs konnten sogar ein wenig Delfinisch sprechen.
Das fanden die LICHTIs besonders lustig.
Natürlich ließen sich auch die Delfine nicht lange bitten, ihre alten Freunde mitzunehmen.
Schon bald saßen LICHTI, Lilibella, Lichtinchen, Reo und Condi auf den Rücken der freundlichen Meeressäuger.
Mit großer Freude glitten sie gemeinsam über die Wellen.
Mal tauchten die Delfine tief unter das Wasser.
Dann schossen sie wieder hoch empor und sprangen elegant durch die Luft.
Die Lichtmännlein und Lichtmädchen jauchzten vor Vergnügen.
Sie strahlten so hell, dass das Meer rings um sie zu funkeln begann.
Es sah aus, als wäre ein Stern vom Himmel gefallen und würde nun fröhlich im Wasser baden.
Die WASSIs klatschten begeistert in die Hände.
Die Delfine pfiffen ihre fröhlichen Melodien.
Und über dem weiten Meer klang das Lachen der Freunde noch lange zwischen den Wellen nach.

Teil 5 Mit den Delfinen
Die Wassergeisterchen und die Heimkehr
Von der Regenbogenrutsche der Wolkinger glitten LICHTI und seine Freunde langsam wieder hinunter.
Doch diesmal führte ihr Weg nicht über Wälder und Berge.
Sie landeten mitten im großen, weiten Meer.
Dort, im tiefblauen Atlantik, warteten schon ihre nächsten Freunde.
Die Wassergeisterchen.
Die LICHTIs nannten sie liebevoll die WASSIs.
Auch die WASSIs hatten leuchtende Augen und kleine zackige Köpfchen wie die LICHTIs. Doch alles an ihnen erinnerte an das Wasser.
Ihre Kleidchen schimmerten wie kleine Wellen. Darauf tanzten Muster aus Perlen, Muscheln und funkelnden Wasserkringeln.
Die WASSIs konnten schwimmen, tauchen, hüpfen und sogar ein kleines Stück durch die Luft schweben.
Am liebsten spielten sie mit den Wellen.
Sie ließen sich auf großen Wogen tragen, sausten über die Wasserberge und machten lustige Sprünge, wenn die Sonne auf das Meer glitzerte.
„Das Meer erzählt jeden Tag neue Geschichten“, sagte eine kleine WASSI-Dame.
„Man muss nur gut zuhören.“
LICHTI legte seine Hand auf die Wasseroberfläche.
Er spürte das sanfte Schwingen der Wellen.
„Das Wasser erinnert sich an alles“, sagte er leise.
„An Regentropfen hoch oben in den Wolken, an kleine Bäche in den Bergen und an die großen Meere, in denen es wieder zusammenkommt.“
Die WASSIs nickten.
„Darum müssen alle Lebewesen gut auf das Wasser achten.“
Da hörten sie ein fröhliches Pfeifen.
Eine Gruppe Delfine kam näher.

Die Delfine konnten die WASSIs sehen – und sie konnten auch das besondere Leuchten der LICHTIs erkennen.
Denn wer ein offenes Herz hat, sieht oft mehr als nur mit den Augen.
„Möchtet ihr mit uns schwimmen?“, fragten die Delfine.
Natürlich ließen sich die LICHTIs das nicht zweimal sagen.
Vorsichtig setzten sie sich auf die Rücken ihrer neuen Freunde.
Die Delfine schwammen durch das klare Wasser, drehten sanfte Kreise und sprangen über die Wellen.
Die LICHTIs lachten vor Freude.
Sie strahlten so hell, dass das Meer ringsum zu funkeln begann.
Es sah aus, als hätte ein Stern beschlossen, ein Bad im Ozean zu nehmen.
Die WASSIs klatschten begeistert in ihre kleinen Wasserhändchen.
„Noch einmal!“, riefen sie.
Und die Delfine drehten noch eine fröhliche Runde.
Nach all diesen wunderbaren Erlebnissen machten sich LICHTI und seine Freunde wieder auf den Heimweg.
Die Sonne ging langsam unter.
Am Himmel erschienen die ersten Sterne.

Unter den Tannenwurzeln
Nach diesen wunderbaren Ausflügen machten sich LICHTI und seine Freunde wieder auf den Heimweg.
Sie flogen über das glitzernde Meer, vorbei an den Wolken der Wolkinger, über grüne Wälder und hohe Berge.
Schließlich erreichten sie die Alpen.
Dort kannten sie einen ganz besonderen Ort.
Zwischen mächtigen Tannen, deren Äste leise im Wind rauschten, befand sich ein gemütlicher Schlafplatz unter starken Tannenwurzeln.
Hier kehrten die LICHTIs immer wieder gerne ein.
Moos war ihr weicher Teppich.
Tannennadeln dufteten würzig.
Zwischen kleinen Farnen und Waldblumen glitzerten winzige Tautropfen wie Edelsteine.
Die Vögel sangen ihr Abendlied.
Ganz in der Nähe murmelte ein kleiner Bergbach sein beruhigendes Lied.
LICHTI legte seinen Bergkristall neben sich ins weiche Moos.
Lilibella band ihre bunten Schleifen ein wenig lockerer.
Lichtinchen lauschte noch einen Augenblick den Stimmen des Waldes.
Reo gähnte herzhaft und kuschelte sich zufrieden zwischen die Wurzeln.
Condi setzte sein hellrotes Baseball-Käppchen neben sich, lächelte still vor sich hin und meinte:
„Was war das heute wieder für ein schöner Tag!“
Alle nickten.
Sie dachten an Mili-Mau.
An ihren Kristall.
An den fröhlichen Tanz.
An die Wolkinger.
An die WASSIs.
Und an die lustigen Delfine.
Bald wurde es ganz still.
Nur der Wind rauschte sanft durch die Tannen.
Hoch über den Bergen begann der Mond zu leuchten.
Vielleicht legten irgendwo gerade wieder LICHTis ihre Bergkristalle auf bunte Filzmatten, damit sie die silbernen Mondstrahlen aufnehmen konnten.
Nach jedem Abenteuer wartet irgendwo schon das nächste.
Und so schliefen LICHTI und seine Freunde glücklich ein.
Auch Mili-Maus Kristall leuchtete irgendwo weit entfernt noch ein wenig.
Er erinnerte sie daran:
Ihr eigenes Licht war immer da.
Manchmal war es nur versteckt.
Aber wer es wiederfindet, kann damit die Welt ein kleines bisschen heller machen.

Teil 6 Unter dem alten Baum
Mili-Mau und der Kristall des eigenen Lichts
Viele Monate waren vergangen, seit Mili-Mau LICHTI und seinen Freunden am alten knorrigen Baum im Wald begegnet war.
Doch den kleinen Kristall, den die LICHTIs ihr damals geschenkt hatten, bewahrte sie noch immer.
Er war für Mili-Mau zu einem besonderen Freund geworden.
Nicht, weil er alle Sorgen wegzaubern konnte.
Sondern weil er sie immer daran erinnerte:
Das eigene Licht ist niemals verschwunden. Manchmal wird es nur von Wolken verdeckt.
Am Tag lag der Kristall auf ihrer Fensterbank.
Er fing die ersten Sonnenstrahlen ein, lauschte dem Regen und glitzerte manchmal, wenn ein Vogel sein Morgenlied sang.
Nachts legte Mili-Mau ihn neben ihr Bett.
Denn auch wenn sie viel gelernt hatte, gab es noch immer schwierige Tage.
Tage, an denen Menschen traurig waren.
Tage, an denen Worte weh taten.
Tage, an denen die Welt ein wenig grau erschien.
Dann nahm Mili-Mau den Kristall in ihre Hände und dachte an LICHTIs Worte:
„Du musst das Dunkle nicht bekämpfen. Hüte dein eigenes Licht.“
Eines Morgens geschah etwas Seltsames.
Der Kristall begann zu leuchten.
Zuerst ganz zart.
Dann immer heller.
Aber diesmal war seine Farbe nicht blau.
Nicht golden.
Nicht violett.
Er schimmerte in allen Farben des Regenbogens zugleich.
Mili-Mau hielt den Atem an.
„Was möchtest du mir zeigen?“, fragte sie.
Da löste sich ein kleiner Lichtfunke aus dem Kristall.
Er schwebte durch das Zimmer, hinaus zum Fenster und weiter in Richtung Wald.
Mili-Mau folgte ihm.
Der Lichtfunke führte sie genau zu jenem alten Baum, unter dem sie einst so traurig gesessen hatte.
Und dort warteten LICHTI und seine Freunde.
„Wir wussten, dass dein Kristall eines Tages wieder leuchten würde“, sagte LICHTI.
Mili-Mau staunte.
„Woher habt ihr das gewusst?“
Lilibella lächelte.
„Manche Kristalle zeigen nicht die Zukunft. Sie zeigen, wenn jemand innerlich gewachsen ist.“
Condi rückte sein rotes Käppchen zurecht.
„Und dein Kristall hat bemerkt, dass du etwas ganz Wichtiges gelernt hast.“
„Was denn?“, fragte Mili-Mau.
LICHTI hielt einen kleinen Kristallstab in die Höhe.
„Du hast gelernt, dein eigenes Licht zu bewahren und trotzdem für andere da zu sein.“
Reo hüpfte vor Freude.
„Du bist eine Lichtfinderin geworden!“
Mili-Mau lachte.
„Eine Lichtfinderin? Was macht die?“
„Eine Lichtfinderin sucht nicht nach Fehlern“, erklärte LICHTI.
„Sie sucht nach den kleinen Lichtfunken, die in jedem Wesen verborgen sind.“
„Manchmal in einem Kind, das sich allein fühlt.“
„Manchmal in einem Tier, das Hilfe braucht.“
„Manchmal in einem Menschen, der sein eigenes Licht vergessen hat.“
Mili-Mau betrachtete ihren Kristall.
Jetzt verstand sie.
Er war kein Stein, der alle Probleme löste.
Er war ein Freund.
Ein Freund, der sie erinnerte.
Jedes Wesen trägt Licht in sich.
Manchmal braucht es nur jemanden, der daran glaubt.
Und so begann für Mili-Mau ein neues Abenteuer.
Nicht als LICHTI.
Nicht als Mensch, der alles verändern musste.
Sondern als Brücke zwischen den Welten.
Denn manchmal sind es gerade die Wesen, die beide Seiten kennen, die am besten verstehen können.
Von diesem Tag an gehörte Mili-Mau zur großen Gemeinschaft der LICHTIs.
Und wenn irgendwo ein kleines Licht vergessen wurde, begann ihr Kristall wieder zu leuchten.

Teil 7 Der Wasser-Kristall
Das Geheimnis des lebendigen Wassers
Seit Mili-Mau eine Lichtfinderin geworden war, hatte sie viele wunderbare Dinge erlebt.
Ihr Kristall zeigte ihr nicht nur ihr eigenes Licht.
Er half ihr auch, die kleinen Lichtfunken in anderen Wesen zu entdecken.
Eines Tages begann der Kristall ganz ungewöhnlich zu schimmern.
Er leuchtete blau.
Aber nicht wie der Himmel.
Nicht wie ein See.
Es war ein tiefes, lebendiges Blau, als würde darin ein ganzes Meer verborgen sein.
„LICHTI!“, rief Mili-Mau.
Schon kurze Zeit später erschienen LICHTI und seine Freunde.
Auch Gailino kam dazu.
Gailino war ein neugieriger kleiner LICHTI, der besonders gerne die Natur beobachtete. Er kannte viele Tiere, Pflanzen und die Geheimnisse der Berge.
„Dieser Kristall ruft nach dem Wasser“, sagte Gailino.
„Nach dem Wasser?“, fragte Mili-Mau.
Gailino nickte.
„Ja. Wasser ist nicht nur etwas, das man trinkt. Wasser ist ein Geschenk des Lebens.“
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg.
Der Kristall führte sie hinauf in die Berge.
Dort fanden sie eine kleine Quelle zwischen Moosen, Blumen und alten Steinen.
Doch etwas war anders.
Die Quelle glitzerte nicht mehr wie früher.
Das Wasser floss langsam und wirkte traurig.
„Was ist geschehen?“, fragte Mili-Mau.
Da kamen die WASSIs aus dem Bach gesprungen.
Ihre Wellenkleidchen schimmerten, aber ihre Gesichter waren nachdenklich.
„Das Wasser braucht Hilfe“, sagte eine kleine WASSI-Dame.
„Viele Menschen vergessen, wie wertvoll es ist.“
Gailino kniete sich zur Quelle.
Er hörte ganz genau hin.
Denn Gailino wusste:
Wer die Natur verstehen möchte, muss zuerst zuhören.
„Die Quelle ist nicht böse“, sagte er.
„Sie ist nur müde.“
Die LICHTIs legten ihre Hände auf die Steine rund um die Quelle.
Die WASSIs sangen ein leises Wasserlied.
Und Mili-Maus Kristall begann zu leuchten.
Doch diesmal zeigte er keine Farbe.
Er zeigte Bilder.
Eine Schneeflocke hoch oben am Berg.
Einen Regentropfen über einer Wiese.
Einen Bach, der durch ein Tal fließt.
Eine Hand, die einem durstigen Tier Wasser reicht.
Alle sahen:
Wasser verbindet alles.
Die Wolken.
Die Berge.
Die Pflanzen.
Die Tiere.
Die Menschen.
„Der Wasser-Kristall erinnert uns daran“, sagte LICHTI, „dass jedes kleine Tröpfchen wichtig ist.“
Gailino lächelte.
„Und dass wir gut darauf achten müssen.“
Die WASSIs tanzten um die Quelle.
Das Wasser begann wieder zu glitzern.
Ein kleiner Tropfen löste sich aus der Quelle und verwandelte sich in einen neuen Kristall.
Er war durchsichtig wie Eis und schimmerte gleichzeitig in allen Blautönen.
„Das ist der Wasser-Kristall“, sagte eine WASSI.
„Er gehört nicht einem Einzelnen.“
Mili-Mau schaute erstaunt.
„Wem gehört er dann?“
Die WASSI lächelte.
„Allen, die das Wasser lieben und schützen.“
Wo Wasser fließt, kann Leben entstehen.
Und wo Menschen achtsam sind, beginnt die Erde wieder zu leuchten.

Epilog
Vielleicht hast auch du tief in deinem Herzen einen kleinen Kristall, der leuchtet.
Manchmal strahlt er ganz hell.
Manchmal scheint sein Licht hinter Sorgen oder Tränen verborgen zu sein.
Doch verloren geht es niemals.
Vielleicht begegnen dir eines Tages die Wolkinger hoch oben zwischen den Wolken.
Vielleicht hörst du das fröhliche Lachen der WASSIs zwischen den Wellen des Meeres.
Und vielleicht entdeckst du sogar einmal ein kleines LICHTI.
Wer weiß?
Wenn du mit offenen Augen und einem frohen Herzen durch die Welt gehst, wirst du manchmal staunen, wie viele kleine Wunder es gibt.
Denn wo Licht verschenkt wird, wächst neues Licht.
Bis zum nächsten Abenteuer mit den LICHTIs. ✨
———

Wesen und Figuren in „LICHTI und Mili-Mau“ (2012)
✨ Die LICHTIs / Lichtwesen
LICHTI
Hauptfigur der Geschichten
führt seine Freunde durch die Abenteuer
vermittelt Weisheit: jeder trägt Licht in sich
Lilibella
hört gerne zu
trägt gerne bunte Schleifen am Kopf
Lichtinchen
hat drei verwirbelte Zacken am Köpfchen
Reo
kleiner drolliger Lichtjunge
hat grüne und rote Pünktchen
wackelt mit dem Kopf
fuchtelt mit seinen knolligen Händchen
wirkt verspielt, lebendig und herzlich
Condi
trägt ein hellrotes Baseball-Käppchen
hat eine praktische, fürsorgliche Art
zaubert plötzlich ein Taschentuch hervor
trocknet Mili-Maus Tränen
spricht die wichtige Erkenntnis aus:
Helfen wollen kann manchmal die eigene Kraft schwächen
nicht jede Last gehört einem selbst
🌸 Menschenkind
Mili-Mau
kleines Mädchen
große verträumte Augen
trägt ein hellblaues Kleidchen
sehr feinfühlig
kann Licht in anderen Wesen wahrnehmen
spürt:
Freude
Traurigkeit
„Grau“
belastende Gefühle
Besonderheiten:
wird Mili-Mau genannt, weil sie ein weißes Kätzchen namens Mili pflegt
fühlt sich oft allein
möchte ihrer Familie helfen
erhält am Ende einen besonderen Kristall
🐱 Tier
Mili
weißes Kätzchen
wird als Wesen erwähnt, bei dem Mili-Mau ebenfalls Veränderungen wahrnimmt:
👧👦 Weitere Kinder / Menschen
Toni-Tobi
Kind
Mili-Mau spürt bei ihm besonders viel Licht
Sambi-Du
Kind
gehört zu den Kindern, bei denen Mili-Mau starkes Licht wahrnimmt
Liasara
Kind
ebenfalls ein Wesen mit spürbarem Licht
Rego
großer Bruder von Mili-Mau
hat laut Mili-Maus Wahrnehmung viel „Schattiges“ aufgenommen
👨👩👧 Familie von Mili-Mau
Mili-Maus Eltern
werden erwähnt
Mili-Mau empfindet ihr Licht als grau
Mili-Maus Oma
wird erwähnt
ebenfalls als belastet wahrgenommen
Omas Katze
Tierwesen
wird in Mili-Maus Wahrnehmung ebenfalls erwähnt
💎 Magische Dinge und Orte
Bergkristalle
werden von den LICHTIs verwendet
nehmen Mondstrahlen auf
bekommen dadurch neue Kraft
Kristallstäbe
können speichern:
Geschichten
Heilsprüche
werden genutzt, um Pflanzen und Tiere zu heilen
Mili-Maus Farb-Kristall
Geschenk der LICHTIs
verändert seine Farbe nach Mili-Maus Wunsch
☁️ Die Wolkenwelt
Wolkinger
Wolkenwesen
sehen aus wie kleine Wölkchen
haben:
zarte Ärmchen
zarte Beinchen
fröhliche Kulleraugen
Eigenschaften:
lieben den Wind
lieben Sonne und Sterne
rollen und tanzen auf Wolkenteppichen
erfinden ihre Spielregeln immer wieder neu
Wolkenkinder
werden erwähnt
die Wolkinger leisten ihnen Gesellschaft
🌈 Besonderer Ort
Wolkenteppich
Bühne der Wolkinger
Ort für:
Tänze
Kunststücke
Spiele
Regenbogen-Rutsche
wird von den Wolkingern gebaut
dient den LICHTIs zum Weiterreisen
🌊 Wasserwelt
WASSIs / Wassergeisterchen
Wasserwesen
ähnlich wie LICHTIs:
zackige Köpfchen
Kulleraugen
Besonderheiten:
alles an ihnen ist „wässerig“
ihre Kleidchen haben wellenförmige Dekorationen
leben voller Freude und Frohsinn
Fähigkeiten:
tauchen
fliegen
von Welle zu Welle hüpfen
Wellenschaukeln
Wellenreiten
🐬 Delfine
können die WASSIs sehen
können mit ihnen umgehen
lassen WASSI-Kinder auf ihrem Rücken reiten
lassen auch LICHTIs mitreiten
sprechen bzw. verstehen ein wenig „Delfinisch“
🌍 Natur- und Weltelemente
Mond
Vollmondnächte
Neumondnächte
Bergkristalle
Pflanzen
Tiere
Wald
knorriger Baum
Berge
Tannenwurzeln
Wolkenwelt
Atlantik
Meer
Wellen
Sterne
Ur- Version bzw. Entwurf 2012
LICHTI und Mili-Mau
(Die Lichtmännlein helfen Mili-Mau, von Kristallen und Tänzen, Reiseabenteuer in der Wolken-Welt und am Meer)
Gia Simetzberger, im Oktober 2012
Wenn der Vollmond scheint, und auch wenn bei Neumond können besonders zauberhafte Dinge passieren. Beobachtet nur einmal!
Die lieben Lichtmännlein und Lichtmädchen wissen das schon lange. In Vollmondnächten legen sie ihre Bergkristalle auf bunten Filzmatten ins Freie, damit sie Mondstrahlen aufnehmen können. Das gibt den Steinen neue Kraft.
LICHTI hat einen besonders hübschen Kristall, den er manchmal unter seinen Kopfpolster legt. Die Lichtmännlein können aber auch Geschichten und Heilsprüche in Kristallstäben abspeichern. Sie heilen Pflanzen und Tiere mit diesen Sprüchen. Die Kristalle verstärken den Heilspruch. Man sollte mit Kristallen sehr vorsichtig umeghen, denn sie verstärken alles, was man denkt!
Als LICHTI und einige seiner Freunde eines Tages mit ihren Glitzersteinen spielen und plaudern, erblicken sie ein weinendes Menschenkind.
Ein kleines Mädchen mit großen, verträumten Augen, aus denen gerade dicke Tränen rollen, kauert am Waldrand unter einem knorrigen Baum.
Mili-Mau nennen es seine Spielkameraden, weil es ein weißes Kätzchen namens Mili pflegt.
„Mili-Mau, was ist mit dir?“, fragt LICHTI besorgt. Mit einem Bündel bunter Lichtstrahlen versucht er das Mädchen zu streicheln und ein wenig aufzuheitern. Sie umspielen das hellblaue Kleidchen, das feine Haar, kitzeln ein wenig am Näschen…
„Ach, seufzt Mili-Mau, „es ist so schwer, hier zu leben! Manchmal wär‘ ich noch gern in diesem schönen Land, in dem ich fliegen konnte und wo wir alle so fröhlich waren!“
LICHTI meint tröstend: „Aber schau, wir sind alle hier, weil wir uns was vorgenommen haben!“
Die elfenhafte Lilibella, das Lichtimädchen mit den vielen bunten Schleifen auf ihren Lichtzacken auf dem Kopf, nickte zustimmend.
Mili-Mau zeigt sich verstehend. „Aber weißt du… Du leuchtest so schön und auch in mir ist Licht, auch wenn ich’s bei mir nur spüre. Und bei manchen anderen Kindern spüre ich es auch. Ganz viel bei Toni-Tobi und Sambi-Du. Und bei Liasara!
Bei manchen ist es ein bisschen verschüttet. Aber bei meinen Eltern, bei meinem großen Bruder Rego, bei meiner Oma und sogar bei Omas Katze ist alles grau. Manchmal sticht es sogar, oder es blitzt ganz rot. Dann wird mein Herz traurig und ich bin so allein! So wie heute!“
„Ja, das kann ich auch alles spüren und weiß, wie es dir ergeht,“ ruft Lichtinchen mit den drei verwirbelten Zacken am Köpfchen, und Reo, der kleine drollige Kerl, der mit grünen und roten Pünktchen, wackelte mit dem Kopf und fuchtelte mit seinen knolligen Händchen.
„Viele Erwachsene können nicht mehr lachen. Dein Bruder hat leider auch so viel von dem Schattigen aufgenommen. Unmerklich hat es von ihnen Besitz genommen, weil sie sich von unguten Gedanken Energie nehmen lassen. Wenn sie es besser wüssten, würden sie strahlen und leuchten wie wir!“
Mili-Mau beginnt wieder zu schluchzen. Ihr ganzer Jammer kommt jetzt zum Vorschein. „Ich versuche ja so sehr, ihnen zu helfen, aber dann wird es noch schlimmer statt besser!“
„Richtig beobachtet!“ lobt Condi, ein Lichtmännlein mit einem hellroten Baseball-Käppchen. Condi hat plötzlich ein Taschentuch in den Händen und trocknet Mili-Maus Tränen. „Wenn du dich wehrst oder helfen möchtest, verlierst du Kraft. Ja du stärkst das Dunkle. Tu’s nimmer! Es ist nicht deine Aufgabe!“
Und Lichti meint: „Ja, du sollst nur schauen, dass es dir gut geht. Tu‘ so oft und so viel wie möglich, was dir Freude bereitet. Wirklich gute Freunde sind wichtig! Alles geschieht, damit du etwas daraus lernst! Und du schaffst es!“
Milli-Mau hört zu weinen auf, denkt nach, beginnt zu lächeln. „So habe ich das noch nie gesehen. Danke, liebe Lichtmännlein und Lichtmädchen!“
Die Lichtmännlein-Schar beginnt einen lustigen Kreistanz. Sie zaubern kleine bunte Bälle herbei und werfen sich diese leichten Bällchen zu. Ihre Kleidchen bekommen Pünktchen in vielen Farben. Alles geschieht ganz flink. Schließlich scheinen sich Lichtmännlein und Bällchen zu verwirbeln und verschwinden vor Mili-Maus erstaunten Augen.
Mili-Mau sieht etwas am Boden glänzen. Es ist ein schöner Kristall. Wie wunderbar! Er nimmt die Farbe an, die sich das Mädchen gerade wünscht. Glücklich nimmt sie diesen neuen kleinen Freund mit nach Hause, den ihr die Lichtmännlein geschenkt haben.
Weiter geht der Ausflug der Lichtmännlein. Sie fliegen zur Wolkenwelt und besuchen ihre Freunde, die Wolkinger. Sie sehen wie kleine Wölkchen mit zarten Ärmchen und Beinchen aus mit fröhlichen Kulleraugen.
Diese Wolken-Wesen leisten gerne den Wolkenkindern Gesellschaft. Der Wind ist ihr Freund. Wenn Stürme toben, kugeln sie sich ein. Sie lieben die Sonne und die Sterne.
Ein Wolkenteppich ist ihre Bühne, auf der sie Kunststückchen vorführen. Sie tanzen und trällern gern und kugeln kunstvoll nach Spielregeln auf dem Wolkenteppich umher. Die Regeln erfinden sie immer wieder neu.
Von den Wolkingern, die ihren Besuchern zum Abflug eine Regenbogen-Rutsche bauen, geht es wieder nach unten, aber nicht auf ein Landgebiet, sondern aufs Meer.
Im Atlantik haben LICHTI und seine Freunde eine Verabredung mit den Wassergeisterchen. Wie die Lichtmännlein haben auch die „WASSIs“ zackige Köpfchen und Kulleraugen und leben voller Freude und Frohsinn.
Alles an ihnen aber ist wässerig, auch ihre Kleidchen, die mit wellenförmigen Dekorationen geschmückt sind.
Die Wassergeisterchen führen ein paradiesisches Leben. Sie können ganz gut tauchen. Sie fliegen und hüpfen von Welle zu Welle. Ihre liebsten Vergnügen sind Wellenschaukeln und Wellenreiten.
Delfine können die Wassergeisterchen gut sehen.
Gerne lassen sie es zu, dass WASSI-Kinder auf ihrem Rücken Platz nehmen, und drehen mit ihnen einige vorsichtige Runden. Die WASSIs sprechen ein wenig Delfinisch.
Freilich sind die Delfine auch gerne bereit, die Lichtmännlein aufsitzen zu lassen. Die Lichtmännlein und Lichtmädchen strahlen vor Vergnügen. So sehr, dass das Meer an dieser Stelle so sehr funkelt, als würde ein Stern darin baden.
Nach diesen wunderbaren Ausflügen ziehen sich Lichti und seine Freunde für ein paar Tage in die Berge zurück. Sie kennen irgendwo in den Alpen einen feinen Schlafplatz unter Tannenwurzeln. Dort ruhen sie sich für ihre nächsten Abenteuer aus.