👧👶🧒 Drei LICHTI-Kinder und ihre Welt (Episodengeschichte)

Drei LICHTI-Kinder und ihre Welt

Gia Simetzberger – überarbeitete Fassung 2026

Die drei LICHTI-Kinder Tobby, Laddy und Ridda leben mit ihren Familien in einer wunderschönen Berglandschaft. Hoch über den Tälern, dort, wo alte Bäume ihre Äste schützend ausbreiten und sich sonnige Waldlichtungen mit geheimnisvollen Wäldern abwechseln, haben die LiHoFaBos ihre Heimat gefunden.

Ihre kleinen, aus Holz gebauten Wohntürmchen schmiegen sich harmonisch an den Berghang. Jedes sieht ein wenig anders aus und trägt den liebevollen Charakter seiner Bewohner. Hinter den gemütlichen Häusern öffnet sich der Berg zu einer großen, hellen Gemeinschaftshöhle. Unsichtbare Gänge verbinden die einzelnen Wohnungen miteinander, sodass sich alle Familien jederzeit besuchen können.

Tobby, Laddy und Ridda verbringen die meiste Zeit draußen. Sie laufen barfuß über weiches Moos, klettern auf Felsen, beobachten Tiere und entdecken jeden Tag etwas Neues. Für die kleinen LICHTIs ist die Natur ein großer Spielplatz und zugleich die beste Lehrerin.

Sie hören dem Wind zu, lauschen dem Rauschen der Bäume und freuen sich über jedes Tier, das ihren Weg kreuzt. Denn in der Welt der LiHoFaBos hat jedes Lebewesen seine Aufgabe, und jedes verdient Achtung und Freundschaft.

Komm mit zu den drei kleinen LICHTIs und begleite sie einen Tag lang durch ihre wunderbare Welt. Vielleicht entdeckst auch du dabei manches, das im Alltag der Menschen leicht übersehen wird.

Der Höhlenspielplatz

Wenn draußen die Sommersonne allzu heiß vom Himmel scheint oder im Winter eisiger Wind durch die Baumwipfel streicht, ziehen sich Tobby, Laddy und Ridda gerne in den großen Höhlenspielplatz zurück.

Die weitläufige Höhle ist von einem warmen, freundlichen Licht erfüllt, das weder blendet noch Schatten wirft. Sanfte Melodien erfüllen den Raum und schenken eine friedliche Stimmung. Niemand weiß so genau, woher sie kommen. Manche glauben, sie entstehen tief im Berg, andere meinen, sie seien das leise Lied der Erde.

Der Höhlenspielplatz ist so groß, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Im hinteren Teil plätschert ein kleiner Teich mit angenehm warmem Wasser, das aus einer natürlichen Thermalquelle entspringt. Dort planschen die LICHTI-Kinder vergnügt oder lassen kleine Holzschiffchen über das Wasser gleiten.

Nicht weit davon blüht ein buntes Höhlengärtchen. Zwischen Farnen, Moosen und leuchtenden Blüten summen kleine Insekten, und selbst unter der Erde finden Pflanzen einen Weg zum Licht.

Überall laden bunte Hängematten, Schaukeln und liebevoll gestaltete Spielgeräte zum Spielen und Ausruhen ein. In einer gemütlichen Nische stehen Bücher, Naturkarten, Musikinstrumente, Lupen und viele andere Dinge bereit, mit denen die kleinen Entdecker ihren Wissensdurst stillen können.

Für Tobby, Laddy und Ridda ist dieser Ort weit mehr als ein Spielplatz. Er ist ein Platz der Freude, des Staunens und der Gemeinschaft – ein Ort, an dem Spielen, Lernen und Entdecken ganz selbstverständlich zusammengehören.

Wie die LICHTI-Kinder lernen

Die LICHTI-Kinder sind zwar im Schulalter, doch eine Schule, wie sie viele Menschen kennen, gibt es bei den LiHoFaBos nicht. Niemand sitzt stundenlang auf einer Bank, niemand schreibt Prüfungen, und niemand muss auswendig lernen, was er längst wieder vergessen würde.

Die Eltern, Großeltern und älteren LiHoFaBos geben ihr Wissen mit Freude an die Kinder weiter. Sie erzählen Geschichten, beantworten Fragen und zeigen ihnen, wie man Dinge selbst herausfindet. Und wenn niemand eine Antwort kennt, machen sich alle gemeinsam auf die Suche danach.

Tobby, Laddy und Ridda lernen vor allem durch eigenes Entdecken. Sie beobachten Pflanzen im Höhlengärtchen und draußen auf der Waldlichtung. Mit Lupen betrachten sie Blätter, Moose, Pilze und die kleinen Tiere, die darin leben. Oft staunen sie darüber, wie viele Wunder selbst in einem einzigen Grashalm verborgen sind.

Besonders spannend finden sie es, den Tieren zuzusehen. Geduldig sitzen sie am Waldrand und beobachten Eichhörnchen, Vögel, Frösche oder Rehe. Manchmal werden sie dabei ganz still. Dann geschieht etwas Besonderes: Sie spüren, was die Tiere empfinden. Es ist keine Sprache mit Worten, sondern eine stille Herzenssprache, die von Vertrauen und gegenseitigem Respekt lebt.

Auch Musik gehört zum Lernen. Die kleinen LICHTIs singen, tanzen und spielen einfache Instrumente. Sie entdecken Rhythmen im Plätschern eines Baches, im Rauschen der Blätter oder im Klopfen eines Spechts. So erfahren sie, dass die ganze Natur voller Melodien ist.

Ebenso wichtig ist das handwerkliche Geschick. Die Kinder schnitzen kleine Boote aus Holz, flechten Körbchen aus Gräsern, bauen Vogelfutterstellen oder helfen beim Anlegen neuer Beete. Dabei lernen sie ganz nebenbei, sorgfältig zu arbeiten und achtsam mit den Gaben der Natur umzugehen.

Die LiHoFaBos glauben, dass jeder etwas besonders gut kann. Deshalb vergleichen sie ihre Kinder nicht miteinander. Jeder darf in seinem eigenen Tempo lernen und seine Begabungen entdecken. Wer Freude am Lernen hat, wird sein Leben lang Neues entdecken.

Und genau das wünschen sich die Eltern für ihre Kinder: nicht, dass sie alles wissen, sondern dass sie neugierig bleiben und niemals aufhören zu staunen.

Das Waldfest

Einmal im Jahr feiern die LiHoFaBos ihr großes Waldfest. Es findet im Sommer statt, wenn die Tage lang sind, die Wiesen in voller Blüte stehen und der Wald bis in den Abend hinein nach Kräutern, Harz und warmem Holz duftet.

Schon am frühen Morgen herrscht fröhliches Treiben. Überall wird geschmückt. Bunte Blumenkränze werden geflochten, Tische und Bänke aus Holz auf der Waldlichtung aufgestellt und kleine Lichter zwischen den Ästen aufgehängt, die nach Sonnenuntergang wie Sterne leuchten.

Jede Familie bringt etwas Selbstgemachtes mit. Es gibt frisches Obst und Gemüse, duftendes Kräuterbrot, Nüsse, Pilzgerichte, Beeren, Honig und viele andere Köstlichkeiten. Das klare Quellwasser wird in schön geschmückten Karaffen gereicht, die mit Blüten und Kräutern verziert sind.

Bevor alle gemeinsam essen, danken sie der Erde, dem Wasser, der Sonne und allen Lebewesen, die zu diesem Fest beigetragen haben. Denn die LiHoFaBos wissen, dass nichts selbstverständlich ist.

Nach dem gemeinsamen Mahl erklingt Musik. Manche spielen Flöte oder Gitarre, andere trommeln oder begleiten die Melodien mit kleinen Glöckchen. Bald tanzen Jung und Alt miteinander über die Lichtung. Es wird gelacht, gesungen und erzählt. Immer wieder bilden sich kleine Kreise, in denen Geschichten von früher weitererzählt oder neue Lieder erfunden werden.

Auch die Tiere des Waldes bleiben an diesem Abend nicht fern. Rehe beobachten neugierig vom Waldrand aus das bunte Treiben, Eichhörnchen huschen durch die Baumwipfel, und über den Wiesen ziehen lautlos Fledermäuse ihre Kreise. Niemand stört sie, denn das Waldfest gehört allen Bewohnern des Waldes.

Wenn schließlich die Dämmerung hereinbricht, entzünden die LiHoFaBos viele kleine Lichter. Ihr warmer Schein spiegelt sich in den Augen der Kinder und lässt die Lichtung wie einen verwunschenen Ort erscheinen.

Die Kleinsten werden langsam müde. Sie kuscheln sich in weiche Decken oder legen sich in Hängetücher, die zwischen den Bäumen schaukeln. Während über ihnen die Sterne aufleuchten, hören sie noch das leise Klingen der Instrumente und das sanfte Rauschen des Waldes.

So klingt das Waldfest Jahr für Jahr in Frieden aus – voller Dankbarkeit, Freude und dem Gefühl, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein.

Was LICHTI-Kinder gerne trinken

Das Lieblingsgetränk der LICHTI-Kinder ist frisches, klares Wasser. Es stammt aus reinen Quellen tief im Berg und wird mit großer Dankbarkeit getrunken. Die LiHoFaBos wissen, dass Wasser eines der kostbarsten Geschenke der Natur ist. Ohne Wasser gäbe es weder Pflanzen noch Tiere und auch kein Leben.

Darum achten sie gut auf ihre Quellen, Bäche und Seen. Sie verschmutzen niemals das Wasser und verschwenden keinen einzigen Tropfen. Schon die kleinsten LICHTIs lernen, sorgsam mit diesem wertvollen Schatz umzugehen.

Manchmal verfeinern sie ihr Wasser mit frischen Kräutern, duftenden Blüten oder einigen Tropfen Saft von Waldbeeren und Früchten. So entstehen immer wieder neue, köstliche Geschmacksrichtungen.

Mit der Zeit haben die LiHoFaBos noch etwas Interessantes entdeckt: Nicht immer schmeckt kaltes Wasser am besten. An manchen Tagen trinken sie lieber lauwarmes oder angenehm warmes Wasser. Besonders nach dem Spielen, nach einer Wanderung oder an kühlen Tagen empfinden sie es als wohltuend. Deshalb hören sie aufmerksam auf ihren Körper und trinken das Wasser so, wie es ihnen gerade guttut.

Jedes LICHTI besitzt seine eigene kleine Glaskaraffe. Jeden Morgen wird sie mit frischem Quellwasser gefüllt und an einen besonderen Platz gestellt.

Um den Hals der Karaffe binden die Kinder ein feines, durchsichtiges Bändchen. Darauf steht ein guter Gedanke oder ein kleiner Segensspruch. Manchmal trägt das Bändchen auch ein Symbol – einen Wassertropfen, einen Baum, eine Sonne, einen Stern oder eine Blüte. Jedes Zeichen erinnert an etwas Schönes oder schenkt Mut und Zuversicht.

Von Zeit zu Zeit wechseln die Kinder ihre Bändchen. Zu Geburtstagen oder anderen Festen schenken sie einander solche Wasserbändchen als Zeichen ihrer Freundschaft. Sie wissen, dass liebevolle Gedanken das Herz erfreuen und das gemeinsame Trinken zu einem kleinen Fest machen können.

Bevor Tobby, Laddy und Ridda ihre Karaffe anheben, halten sie einen Augenblick inne und sprechen gemeinsam:

„Danke, liebes Wasser, dass du allen Lebewesen Leben schenkst. Mögest du uns Kraft, Freude und Gesundheit bringen und unsere schöne Erde erfrischen.“

Dann trinken sie mit einem Lächeln – und jeder Schluck erinnert sie daran, wie wunderbar und kostbar das Wasser ist.

Die Geschichte vom Rehkitz

Eines Morgens spielten Tobby, Laddy und Ridda auf ihrer Waldlichtung. Die Sonne schien durch die Blätter der alten Bäume, Vögel sangen ihre Lieder und ein leichter Wind strich über das weiche Moos.

Da raschelte es im Gebüsch.

Vorsichtig trat ein kleines Rehkitz auf die Lichtung. Es humpelte und blieb nach wenigen Schritten erschöpft stehen. An einem Vorderbein war das Fell aufgerissen, und ein wenig Blut lief über sein Beinchen.

„Ach, das arme Rehkitz!“, rief Ridda mitfühlend.

Die Eltern waren an diesem Tag bei Freunden zu Besuch. Deshalb beschlossen die drei Kinder, zunächst selbst nachzudenken. Sie hatten schon viel über Tiere, Verletzungen und die erstaunlichen Selbstheilungskräfte der Natur gelernt.

Ganz ruhig setzten sie sich in einiger Entfernung zum Rehkitz, damit es keine Angst bekam.

Tobby schloss die Augen. Nach einer Weile lächelte er.

„Ich glaube, ich verstehe, was passiert ist“, sagte er leise. „Das kleine Reh ist beim Laufen an einem dornigen Busch hängen geblieben. Es hat sich erschrocken und dabei die Haut aufgerissen.“

Ridda betrachtete die Wunde aufmerksam.

„Zum Glück sieht sie sauber aus. Das Blut hat die Verletzung bereits gereinigt. Jetzt braucht das Rehkitz vor allem Ruhe.“

Laddy nickte.

„Dann helfen wir ihm auf unsere Weise.“

Die drei Kinder bildeten einen kleinen Halbkreis. Sie atmeten einige Male ruhig ein und aus und stellten sich vor, wie das Rehkitz bald wieder gesund und fröhlich durch den Wald springt.

In ihrer Vorstellung legten sich feine goldene Lichtfäden sanft über die verletzte Haut. Mit liebevollen Gedanken wünschten sie dem kleinen Tier Ruhe, Kraft und Vertrauen.

Niemand sprach mehr ein Wort.

Nur das Plätschern eines nahen Baches und das Zwitschern der Vögel waren zu hören.

Nach einer kleinen Weile hob das Rehkitz vorsichtig den Kopf. Es wirkte deutlich ruhiger. Langsam stand es auf, machte einige vorsichtige Schritte und lief dann leicht humpelnd zwischen die Bäume.

Dort blieb es noch einen Augenblick stehen.

„Jetzt macht es etwas ganz Wichtiges“, erklärte Laddy leise. „Es ruht sich aus und sammelt neue Kraft. Die Natur hilft ihm nun auf ihre Weise weiter.“

Keine zehn Minuten später erschien die Rehmutter. Mit wachen Augen schaute sie zu den drei kleinen LICHTIs hinüber, als wollte sie sich bedanken. Dann verschwand sie gemeinsam mit ihrem Kitz lautlos im Wald.

Die drei Freunde blickten ihnen noch lange nach.

„Ich freue mich, dass wir helfen konnten“, sagte Tobby.

Ridda nickte.

„Manchmal braucht jemand gar nicht so viel. Ein wenig Ruhe, Mitgefühl und gute Gedanken können schon viel bewirken.“

„Und wir haben heute selbst etwas gelernt“, ergänzte Laddy. „Wer helfen möchte, muss zuerst aufmerksam beobachten, dann nachdenken und schließlich mit dem Herzen handeln.“

Die drei Kinder lächelten einander an und machten sich glücklich auf den Heimweg.

Der Besuch der Waldfee

Einige Tage nach dem Erlebnis mit dem Rehkitz saßen Tobby, Laddy und Ridda auf ihrer Lieblingslichtung. Die Sonne schimmerte durch die Blätter der alten Bäume, und ein leichter Wind ließ Gräser und Farne sanft hin und her wiegen.

Plötzlich begann es zwischen den Farnen zu glitzern.

Tausende winzige Lichtfunken tanzten durch die Luft. Sie sammelten sich zwischen den mächtigen Wurzeln einer alten Eiche und wurden immer heller. Langsam entstand daraus eine zierliche Gestalt mit einem Kleid aus Blütenblättern, Moosen und schimmernden Tautropfen. In ihrem langen Haar funkelten kleine Sterne.

„Willkommen, liebe Waldfee!“, riefen die drei LICHTIs voller Freude.

Die Waldfee lächelte.

„Ich freue mich, euch wiederzusehen. Der Wald hat mir erzählt, wie liebevoll ihr euch um das kleine Rehkitz gekümmert habt.“

Die Kinder wurden ein wenig verlegen.

„Wir wollten doch nur helfen“, sagte Ridda leise.

„Und genau deshalb seid ihr gute Freunde des Waldes“, antwortete die Waldfee. „Wer mit offenem Herzen hilft, bringt Licht in die Welt.“

Sie setzte sich auf einen bemoosten Stein, und die drei Kinder rückten neugierig näher.

„Heute möchte ich euch einige Geheimnisse des Waldes zeigen.“

Sie legte ihre Hand auf den Stamm der alten Eiche.

„Viele Menschen glauben, ein Wald sei einfach eine Ansammlung von Bäumen. Doch in Wirklichkeit ist er eine große Gemeinschaft.“

„Wie wir LiHoFaBos?“, fragte Tobby.

„Ja“, nickte die Waldfee. „Tief unter unseren Füßen wächst ein riesiges Netz aus feinsten Pilzfäden. Man nennt es Pilzmyzel. Manche dieser Fäden ziehen sich viele Kilometer weit durch den Waldboden. Über dieses unsichtbare Netz tauschen die Bäume Wasser, Nährstoffe und sogar Botschaften miteinander aus.“

„Botschaften?“, staunte Laddy.

„Stellt euch vor, Raupen beginnen an den Blättern eines Baumes zu fressen. Dann kann dieser Baum seine Nachbarn warnen. Manche Bäume verändern daraufhin den Geschmack ihrer Blätter, andere bereiten sich auf den Besuch der Raupen vor. Und wenn ein Baum geschwächt ist, können ihm seine Nachbarn über das Pilzmyzel sogar Nahrung schicken.“

Ridda schüttelte staunend den Kopf.

„Dann helfen sich die Bäume ja gegenseitig!“

„Ganz genau“, sagte die Waldfee. „Der Wald lebt vom Miteinander.“

Sie führte die Kinder ein kleines Stück weiter und blieb vor einem weichen, grünen Polster stehen.

„Schaut einmal ganz genau hin.“

„Das ist doch nur Moos“, meinte Tobby.

Die Waldfee lächelte.

„Fast jeder Mensch geht daran vorbei, ohne es zu beachten. Doch dieses Haarmützenmoos gehört zu den kleinen Wundern des Waldes. Es sammelt den Regen wie ein winziger Schwamm und gibt die Feuchtigkeit langsam wieder an die Erde ab. So hilft es mit, dass der Waldboden nicht austrocknet. Selbst die kleinsten Pflanzen haben ihre wichtige Aufgabe.“

Die Kinder betrachteten das Moos nun mit ganz anderen Augen.

„Im Wald ist also nichts unwichtig“, sagte Laddy nachdenklich.

„So ist es“, antwortete die Waldfee. „Jeder Käfer, jede Ameise, jede Spinne, jeder Pilz und jede Blüte gehört zu diesem großen Lebenskreis. Was heute vergeht, schenkt morgen neuem Leben Nahrung. Im Wald wird fast nichts verschwendet.“

Eine Kohlmeise setzte sich auf einen Ast und begann fröhlich zu singen.

„Hört ihr das?“, fragte die Waldfee.

„Natürlich“, sagte Ridda.

„Dann schließt jetzt einmal alle eure Augen.“

Die drei Kinder gehorchten.

„Was nehmt ihr wahr?“

„Den Wind“, sagte Tobby.

„Den Duft der Tannen“, flüsterte Ridda.

„Das Plätschern des Baches“, ergänzte Laddy.

„Und ich höre einen Buntspecht“, sagte Tobby.

„Eine Hummel summt ganz in unserer Nähe“, bemerkte Ridda.

Die Waldfee nickte zufrieden.

„Sehr gut. Viele Menschen glauben, sie müssten den Wald nur anschauen. Aber wer den Wald wirklich kennenlernen möchte, sollte ihn mit allen Sinnen erleben. Hört seine Stimmen. Atmet seinen Duft. Fühlt das weiche Moos unter euren Füßen. Betrachtet die Farben der Blätter. Und wenn ihr einmal eine Walderdbeere findet, kostet sie mit Dankbarkeit. Erst dann erzählt euch der Wald seine Geschichten.“

Die Kinder öffneten langsam wieder ihre Augen.

Plötzlich wirkte alles noch viel lebendiger als zuvor.

Die Bäume schienen freundlicher, das Licht heller und selbst das leise Rascheln der Blätter klang wie eine Melodie.

Langsam senkte sich die Abendsonne hinter die Berge.

„Nun muss ich weiter“, sagte die Waldfee.

„Vergesst niemals: Wer staunen kann, wird immer Neues entdecken. Wer aufmerksam hinsieht, lernt zu verstehen. Wer versteht, beginnt zu schützen. Und wer schützt, schenkt der Zukunft Hoffnung.“

Mit diesen Worten löste sich die Waldfee wieder in unzählige kleine Lichtfunken auf. Sie stiegen zwischen den Ästen empor und verschwanden im goldenen Abendlicht.

Noch lange saßen Tobby, Laddy und Ridda schweigend auf ihrer Lichtung.

Sie lauschten dem Wald.

Und zum ersten Mal hatten sie das Gefühl, dass der ganze Wald leise mit ihnen sprach.

Am Wasserfall

Ein kleiner Epilog

Einige Tage später machten sich Tobby, Laddy und Ridda noch einmal auf den Weg durch den Wald.

Sie wollten den Wasserfall besuchen, den sie seit ihrer frühesten Kindheit liebten.

Als sie ankamen, war es bereits Abend. Die Sonne war hinter den Bergen verschwunden, und der Mond begann den Wald in silbernes Licht zu tauchen.

Der Wasserfall rauschte unermüdlich wie seit Tausenden von Jahren. Überall glitzerten feine Wassertröpfchen, die im Mondlicht wie kleine Sterne funkelten. Zwischen den Farnen leuchteten die ersten Glühwürmchen, und aus der Ferne rief ein Waldkauz.

Die drei LICHTIs setzten sich schweigend auf einen großen, vom Wasser glatt geschliffenen Stein.

Eine Weile sagte niemand etwas.

Sie lauschten.

Sie hörten das Plätschern des Wassers.

Den Wind in den Baumkronen.

Das Zirpen der Grillen.

Den Flügelschlag einer Fledermaus.

Und schließlich hörten sie etwas, das sie früher nie bemerkt hatten.

Zwischen all den vertrauten Geräuschen schien der Wasserfall selbst zu singen.

Es war keine Melodie mit Worten.

Es war das Lied des Wassers.

Es erzählte von schneebedeckten Bergen, von Quellen, die tief in der Erde entspringen, von Bächen, Seen und Flüssen, von Regenwolken und vom großen Meer.

„Jetzt verstehe ich“, flüsterte Ridda.

„Was denn?“, fragte Tobby.

„Dass alles zusammengehört.“

Laddy nickte.

„Der Wald … das Wasser … die Tiere … die Pflanzen … wir LiHoFaBos … und auch die Menschen.“

Da lächelte Tobby.

„Vielleicht müssen die Menschen nur wieder lernen, genauer hinzuschauen.“

In diesem Augenblick löste sich ein einzelner Wassertropfen aus dem Sprühnebel des Wasserfalls. Er fing einen Mondstrahl auf und leuchtete für einen kurzen Moment wie ein kleiner Diamant.

Die drei LICHTIs schauten ihm nach, bis er lautlos im Teich verschwand.

„Jeder Tropfen ist etwas Besonderes“, sagte Ridda.

„Und gemeinsam werden sie ein Bach“, ergänzte Laddy.

„Dann ein Fluss“, meinte Tobby.

„Und schließlich das Meer.“

Sie lächelten einander an.

Der Wald schien ihnen zuzunicken.

Der Wasserfall rauschte weiter.

Der Mond spiegelte sich im klaren Wasser.

Und tief in ihren Herzen wussten die drei kleinen LICHTIs, dass sie noch unendlich viele Wunder entdecken würden.

Denn die Natur erzählt ihre Geschichten jeden Tag neu – allen, die bereit sind, mit offenen Augen, offenen Ohren und einem offenen Herzen durch die Welt zu gehen.

Und vielleicht hörst auch du eines Tages das leise Lied des Wassers.

Nachdem sie lange dem Rauschen des Wassers gelauscht hatten, fragte Tobby:

„Warum fühlen wir uns an Wasserfällen eigentlich immer so glücklich und voller Kraft?“

Die Waldfee lächelte.

„Das Wasser schenkt auf vielerlei Weise Energie. Schon seit langer Zeit nutzen die Menschen die Kraft fließenden Wassers. Früher trieb sie Mühlräder an, die Korn mahlten oder Holz sägten. Heute erzeugen Wasserkraftwerke daraus elektrischen Strom für Häuser, Schulen und viele andere Dinge. Das Wasser arbeitet unermüdlich – Tag und Nacht.“

Die Kinder blickten staunend zum Wasserfall.

„Aber das ist noch nicht alles“, fuhr die Waldfee fort.

„Wenn das Wasser über die Felsen stürzt, zerfällt es in unzählige feinste Tröpfchen. Dabei entstehen besonders viele negative Luftionen. Die Luft an Wasserfällen ist deshalb oft außergewöhnlich frisch und belebend.“

Ridda atmete tief ein.

„Deshalb fühlt sich das hier so gut an!“

„Ja“, sagte die Waldfee. „Viele Menschen berichten, dass sie an Wasserfällen ruhiger werden, tiefer durchatmen können und neue Kraft schöpfen. Ein Aufenthalt am Wasser kann helfen, den Stress des Alltags loszulassen. Manche Menschen mit empfindlichen Atemwegen empfinden die feuchte, saubere Luft ebenfalls als angenehm.“

„Dann ist der Wasserfall ja eine richtige Kraftquelle!“, rief Laddy.

„Genau“, antwortete die Waldfee. „Aber nicht nur für die Menschen. Auch Moose, Farne, Libellen, Vögel und viele andere Lebewesen finden hier ideale Bedingungen. Ein Wasserfall schenkt Leben.“

Sie schöpfte mit ihrer Hand etwas Wasser aus dem Becken.

„Doch die größte Energie trägt das Wasser in sich selbst: Es verbindet Himmel und Erde. Es fällt als Regen, sammelt sich in Quellen, fließt als Bach und Fluss zum Meer und steigt schließlich als Wasserdampf wieder in den Himmel auf. So beginnt seine große Reise immer wieder von Neuem.“

Die drei LICHTIs schauten dem Wasser nach.

„Eigentlich ist jeder Tropfen ständig unterwegs“, sagte Tobby.

„Und jeder Tropfen gehört zu etwas viel Größerem“, ergänzte Ridda.

Die Waldfee nickte.

„So wie jeder von uns.“

Es gibt viele Arten von Energie. Die Kraft des Wassers kann Mühlräder drehen und Strom erzeugen. Die Kraft der Sonne lässt Pflanzen wachsen. Die Kraft des Windes bewegt Wolken und Samen. Doch die größte Kraft ist die, die alles miteinander verbindet. Wer lernt, diese Zusammenhänge zu erkennen, wird die Natur niemals leichtfertig behandeln.

Die drei LICHTIs schauten noch lange auf den Wasserfall. Sie dachten an das Rehkitz, an die Waldfee, an das geheimnisvolle Pilzmyzel unter ihren Füßen und an das klare Wasser, das allen Lebewesen Leben schenkt.

Da wurde ihnen bewusst:

In der Natur ist nichts unwichtig. Alles hängt mit allem zusammen.

Mit diesem Gedanken machten sie sich fröhlich auf den Heimweg – gespannt auf das nächste Abenteuer, das der Wald für sie bereithalten würde.

Alte Version:

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Die LICHTI-Kinder Tobby, Laddy und Ridda wohnen im Bergland auf einer stillen Waldlichtung.

Da spielen und tumneln sie sich den ganzen Tag vor den hölzernen Wohntürmchen ihrer Eltern, die im Inneren zu einer gemeinsamen Höhle im Berg führen.

Der Höhlenspielplatz

Nur wenn es draußen zu heiß oder zu kalt ist, suchen sie auch ihren Höhlenspielplatz auf, der in freundlich schimmerndes Licht getaucht ist und sie mit sanften Melodien bespielt. So groß ist diese Fläche, dass es weiter hinten sogar einen Teich zum Planschen gibt und ein buntes Gärtchen. Eine Thermalquelle spendet lauwarmes, mildes Wasser.

Hängematten in knalligen Farben gibt es dort und Schaukeln, allerlei Spielgeräte und eine Nische zum Ausruhen, in der auch allerlei Lernmaterial für die kleinen Entdecker bereitsteht.

Wie die LICHTI-Kinder lernen

Die drei sind zwar im sogenannten Schulalter, besuchen aber keine Schule, denn die Hobos stellen keine Lehrer an. Sie geben ihren Kindern all ihr Wissen weiter und wenn ihre Kenntnisse nicht ausreichen, verschaffen sie ihnen den Zugang dazu.

Toby, Laddy und Ridda lernen viel durch Beobachten. Sie gucken sich die Pflanzen in ihrem Höhlen-Gärtchen und am Waldrand genau an, bestaunen deren Besucher aus dem Reich der Insekten. Manchmal verweilen sie ganz still, um Verbindung mit den Vögeln, Amphibien und Säugetieren aufzunehmen, die ihnen von ihren Erlebnissen berichten.

Das Waldfest

Einmal im Jahr wird ein großes Waldfest veranstaltet, in der wärmeren Jahrezeit, wenn die Tage schön lang sind und die Abende ganz mild. Dazu werden für ein riesiges Picknick Tische und Bänke im Freien aufgestellt. Alle bringen zur Feier etwas Gutes mit, das sie selbst zubereitet haben. Nach dem Mahl wird auf der Lichtung fröhlich und ausgelassen getanzt. Geschlafen wird auf kuscheligen Decken und in kompakten Tüchern, die zwischen den Bäumen aufgehängt sind.

Was LICHTI-Kinder gerne trinken

Das Lieblingsgetränk der Hobo-Kinder ist klares Wasser. Zur Abwechslung geben sie manchmal Kräuter- und Fruchtextrakte hinzu. Jedes der Kinder betreut im Zimemr seine eigene Karaffe mit Wasser, das ihm speziell gut tut. Dazu werden zarte durchsichtige Bändchen um die Karaffe gewickelt, die einen heilsamen Vers oder ein stärkendes Symbol enthalten. Solche Bändchen werden zu manchen Anlässen auch gerne verschenkt.

Die Geschichte vom Rehkitz

Nun aber möchte ich euch eien Geschichte erzählen, die sich neulich zugetragen hat. Ein Rehkitz hatte sich verletzt und kam humpelnd auf die Kleinen zu. „Wie können wir ihm dem Rehkind helfen?“ fragten sie einander. Die Eltern waren gerade fort, um Nachbarn zu besuchen. Zunächst nahmen sie sich Zeit, die Verletzung des Tieres genau anzusehen. „Es blutet ja!“ rief Ridda und erinnerte sich gleich an alles, was sie über Blut, Verletzungen und Wundheilung gelernt hatte. Tobby hatte sofort in Herz-Gedanken-Sprache Kontakt mit dem Rehlein aufgenommen und rief: “Es ist gestolpert, an einem Busch mit dem Fell hängengeblieben und hat sich ein Stückchen Haut aufgerissen! Das haben wir gleich!“

Nun war die Reihe an Laddy, der sich schon mehr mit dem Thema Unfallhilfe auseinandergesetzt hat. Doch bei einem Reh? Die Rehmutter war gewiss nicht weit und in Sorge. Die geruchsempfindlichen Rehe mögen nicht, dass man ihre Kinder berührt. „Wir schaffen es mit gemeinsamer Fernheilung!“ verkündet Laddy und erteilt Instruktionen. „Die Wunde ist rein, da ist zum Glück kein Stückchen von der Pflanze drangeblieben!“ und Ridda ergänzte: „Und das Blut hat seine Arbeit auch schon getan!“

„Gut,“ meint Laddy, „dann wollen wir… Also zunächst stellt euch vor, dass das Rehlein wieder völlig geheilt ist. Jetzt stellen wir uns vor, dass die Hautstücke, die auseinandergerissen worden, sich wieder vollkommen zusammenfügen. Die Wunder hört zu bluten auf. Mit unsichtbarem Garn nähen wir nun die Verletzung zu… Ja, jetzt ist sie richtig schön zusammengenäht.“

Nun erheben die drei ihre Händchen ungefähr auf Schulterhöhe, hocken sich im Halbkreis um das Reh und senden Heilstrahlen aus ihren Handinnenflächen zum Reh, zur verletzten Stelle gerichtet. Sichtlich beruhigt sich das Tier. Es ist schmerzfrei und seine Benommenheit legt sich.

Nach kaum mehr als einer Minute macht es einen Satz und läuft leicht humpelnd einige Meter in den Wald hinein, um zwischen den Bäumen noch einige Minuten stillzustehen. Laddy erklärt: „Ja, das ist bei den Rehen so. Das Rehkitz hat nun seinen Teil an der Heilung übernommen, indem es ruhig atmet und Energie von Himmel und Erde aufnimmt. Wenn es spürt, dass es genug Energie aufgenommen hat, wird es für unsere Ohren unhörbar seine Mutter herbeirufen.“

Und genauso geschieht es. Es vergehen keine zehn Minuten, bis die Rehmutter erscheint und blitzschnell mit ihrem Kind im Wald verschwindet.

Zufrieden und glücklich bleiben die drei jungen Therapeuten zurück und besprechen das Erlebte nach. „Ich hätte mir nicht gedacht, dass wir das Gelernte so rasch anwenden würden!“ ruft Tobby.

„Helfen macht so viel Freude“ freut sich Ridda, und Laddy stellt fest, dass er nach dem Zwischenfall so energiegeladen ist wie schon lange nicht.

Der Besuch der Waldfee

Und nun erzähle ich noch die Geschichte vom Besuch der Waldfee.

(Die Waldfee erzählt von den unwissenden Menschen und berichtet von ihre Tätigkeit. So erfahren die Kinder viel Neues über das Wirken in der Natur.)

Am Wasserfall

Tiere gehen in der Dämmerung zum Wasserfall. Das Mondlicht scheint aufs Wasser, Lichstrahlen tanzen…