💎🐦‍⬛ Elian Lichtfeder erzählt vom Kristallvogel


Man erzählt sich, dass niemand den Kristallvogel suchen kann.
Er erscheint nur dort, wo ein Herz beginnt, sich wieder an sein eigenes Licht zu erinnern.

Der Kristallvogel

Man erzählt sich, dass tief oben in den Bergen ein Vogel lebt, den noch kein Mensch ganz gesehen hat.

Manche behaupten, er bestehe aus Licht.

Andere sagen, seine Federn seien aus Kristall.

Die LICHTIs nennen ihn einfach den Kristallvogel.

Er singt niemals am Tag.

Nur in den stillsten Stunden der Nacht.

Wenn Vollmond ist.

Oder manchmal sogar bei Neumond.

Dann fliegt er lautlos über Wälder und Berge.

Nicht auf der Suche nach Nahrung.

Nicht auf der Suche nach einem Nest.

Sondern auf der Suche nach Herzen, die ihr eigenes Licht vergessen haben.

Er landet nie direkt neben ihnen.

Er setzt sich irgendwo in ihre Nähe.

Auf einen Ast.

Auf einen Felsen.

Oder auf den First eines alten Hauses.

Dann schüttelt er ganz leicht sein Gefieder.

Dabei löst sich manchmal eine einzige kleine Feder.

Sie schwebt langsam zur Erde.

Wer sie findet, hält zunächst nur eine schimmernde Feder in den Händen.

Doch wer sie mit einem liebevollen Gedanken betrachtet, entdeckt etwas Merkwürdiges.

An ihrer Spitze glitzert ein winzig kleiner Kristall.

Nicht größer als ein Tautropfen.

Die alten LICHTIs erzählen, dass jeder dieser Kristalle eine einzige Erinnerung bewahrt.

Nicht die Erinnerung des Vogels.

Nicht die Erinnerung der LICHTIs.

Sondern die Erinnerung dessen, der ihn findet.

Die Erinnerung daran, wer er wirklich ist.

Darum kann niemand einen Kristallvogel fangen.

Nicht weil er zu schnell wäre.

Sondern weil man Licht nicht besitzen kann.

Man kann es nur weitergeben.

Und vielleicht …

wenn in einer stillen Vollmondnacht irgendwo zwischen den Tannen eine kleine Feder auf den Waldboden sinkt …

dann ist der Kristallvogel wieder unterwegs.

Vielleicht war es aber auch nur der Wind.

Oder vielleicht …

ist zwischen Wind und Wunder gar nicht so viel Unterschied.

🪶 Elian Lichtfeder