Ur-Version Oktober 2012, überarbeitet 2026)
Einleitung – Teil 1 – Die LICHTIs und ihre große Freude an Kristallen
Wenn der Vollmond am Himmel steht – und manchmal auch in geheimnisvollen Neumondnächten – können ganz besondere Dinge geschehen.
Beobachtet nur einmal aufmerksam die Natur!
Die LICHTIs wissen schon lange davon. Sie leben nach den alten Weisheiten der LiHoFaBos:
Alles, was leuchtet, trägt eine besondere Kraft in sich.
In klaren Vollmondnächten legen sie ihre Bergkristalle auf bunten Filzmatten ins Freie, damit die Steine die silbernen Mondstrahlen aufnehmen. Danach schimmern sie erfrischt. Wer es ein wenig übt, kann spüren, dass es ihnen gut tut.
Manche LICHTIs haben es gelernt, Geschichten, Erinnerungen und liebevolle Heilsprüche darin zu speichern.
Ein guter Gedanke, ein freundliches Wort und ein liebevoller Wunsch können durch einen Kristall verstärkt werden. Aber es will schon ein wenig gelernt sein.
Die LICHTIs wissen nämlich auch:
Mit Kristallen muss man sorgsam umgehen. Sie verstärken nicht nur das Gute, sondern auch das, was man in seinem Herzen trägt.

Einleitung – Teil 2 – LICHTI und seine Freunde
Die LICHTIs kommen aus einer fernen Sternenwelt. Es sind fröhliche, freundliche, sanfte Wesen, die den Menschen Hoffnung bringen möchten und sich ganz besonders gern den Kindern zuwenden.
Einer dieser LICHTIs ist fast immer der erste dabei, wenn es um Beobachtungen oder Gespräche geht. Eigentlich heißt dieser LICHTI Hilandoro, ein schöner Name. Manchmal wird er kurz „Hilo“ gerufen.
Aber es gibt viele Hilos, Milos, Filos und Lilos unter den LICHTIS. Da kommt es immer wieder zu Verwechslungen.
Hilandoro wird von seinen Freunden auch manchmal „Der Lichtsurfer“ genannt, weil er der flinkste und geschickteste Lichtsurfer von allen ist.
Noch nie von Lichtsurfen gehört? Die LICHTIs lieben es, mit ihrem Lichtboard, das so ähnlich wie ein Skateboard aussieht, durch die Lüfte zu sausen. Es gibt Menschenkinder, die gerne Sprünge, ja gar Saltos machen. So verhält es sich auch bei den LICHTIs. Hilandoro wirbelt nur so mit seinem Surfboard umher, dass seine Freunde mit dem Steinen kaum hinterher kommen.
So kommt es, dass er sich nicht als Anführer sieht und auch nicht hervortun möchte, aber dass man ihn respektvoll LICHTI nennt.
Viele hören auf seine Worte und eifern ihm nach. Unter allen LICHTIs war ihm daher beschieden, dass er schlicht und einfach „Der LICHTI“ ist.


Bei den folgenden Abenteuern hat LICHTI folgende Freunde aus der LICHTI-Welt mit dabei:
Lilibella, das zarte LICHTI-Mädchen mit den vielen bunten Schleifen auf den Lichtzacken ihres Köpfchens,
den kleinen Reo, den drolligen LICHTI mit den grünen und roten Punkten und
den kecken Condi angeflogen, der immer ein hellrotes Käppchen trägt, das ein wenig schief auf seinem Kopf sitzt.
Und nun zu unserer Geschichte.

Teil 1 – Die LICHTIs begegnen erstmals Mili-Mau
Eines Tages spielten LICHTI und einige seiner Freunde am Waldrand mit ihren bunten Glitzersteinen. Sie ließen die Kristalle im Sonnenlicht funkeln und erzählten sich lustige Geschichten.
Da entdeckten sie plötzlich ein Menschenkind.
Unter einem alten, knorrigen Baum saß ein kleines Mädchen. Große, verträumte Augen blickten traurig in die Welt, und dicke Tränen kullerten über ihre Wangen.
„Mili-Mau“, nannten sie ihre Freunde, weil sie sich in ihrer Umgebung liebevoll um ein kleines weißes Kätzchen namens Mili kümmerte.
Ihr eigentlicher Name ist ein ganz normaler Mädchenname: Rosa, aber Mili-Mau gefällt ihr besser, weil sich das ihre Freunde erdacht haben.
LICHTI surfte auf seinem Lichtboard näher heran. Das Mädchen schaut auf und erblickte ihn. „Ah, ein Menschenkind, das mich sehen kann“, freute sich LICHTI,
„Mili-Mau, was ist denn passiert?“, fragte er sanft.
Aus seinen Händen ließ er ein Bündel warmer Lichtstrahlen entstehen. Sie tanzten um das Mädchen herum, kitzelten ein wenig an ihrem Näschen, spielten mit ihren Haaren und ließen ihr hellblaues Kleidchen glitzern.
Mili-Mau wischte sich über die Augen.
„Ach, LICHTI“, seufzte sie. „Manchmal ist es so schwer, hier zu leben. Manchmal wünsche ich mir, ich wäre wieder in diesem wunderschönen Land, in dem ich fliegen konnte und alles voller Freude war.“
LICHTI setzte sich neben sie.
„Aber schau, Mili-Mau. Wir alle sind hier, weil wir etwas lernen und etwas Gutes bewirken möchten.“
Lilibella, das zarte LICHTI-Mädchen mit den vielen bunten Schleifen auf den Lichtzacken ihres Köpfchens, nickte.
„Jeder trägt ein Licht in sich“, sagte sie leise.
Mili-Mau schaute auf ihre Hände.
„Ja“, sagte sie nachdenklich. „Du leuchtest richtig schön. Und ich spüre auch in mir ein Licht. Ich kann es nur nicht immer sehen.“
Sie blickte in den Wald hinaus.
„Bei manchen Kindern spüre ich dieses Licht ganz stark. Aber manchmal ist es bei Menschen verschüttet. Aber das weiße Kätzchen, das jeden Tag am Nachmittag zu mir kommt, leuchtet immer hell.“
Ihre Stimme wurde traurig.
„Bei meinen Eltern, bei meinem Bruder und sogar bei meiner Oma fühlt es sich oft grau an. Manchmal wird es sogar ganz stechend oder blitzt rot auf. Dann wird mein Herz schwer und ich fühle mich so allein. Ich kann das ja auch niemandem sagen.“
Die LICHTIs hörten aufmerksam zu.
„Nicht alle Kinder können an Lebewesen Lichter und Farben so sehen wie du. Auch uns LICHTIs können sehr viele Menschen nicht sehen, und du siehst uns. Aber es ist doch nett mit uns, nicht wahr?“, scherzte LICHTI.
Auch Lichtinchen mit den drei verwirbelten Zacken auf dem Köpfchen und der kleine Reo, der drollige LICHTI mit den grünen und roten Punkten, spürten, wie sehr Mili-Mau diese Sorgen belasteten.
Reo nickte langsam und seine kleinen knolligen Hände wackelten vor Mitgefühl.
„Wir verstehen dich“, sagte LICHTI. „Manchmal nehmen Menschen schwere Gedanken auf, ohne es zu merken.“
„Aber weißt du, Mili-Mau“, fügte Lilibella mit den vielen Schleifen im Haar hinzu, „du kannst nicht das Licht eines anderen Menschen für ihn tragen. Jeder muss sein eigenes Licht wiederfinden.“
Mili-Mau schaute erstaunt auf.
Vielleicht hatte sie diesen Gedanken noch nie gehört.


Teil 2 – Der besondere Kristall, der an das eigene Licht erinnert
„Vielleicht“, sagte Mili-Mau leise, „habe ich immer versucht, das Licht der anderen zu suchen, aber dabei mein eigenes vergessen.“
LICHTI lächelte.
„Das hast du wunderschön erkannt.“
Da kam der kecke Condi angeflogen. Wie immer trug er sein hellrotes Käppchen, das ein wenig schief auf seinem Kopf saß. Niemand wusste genau, ob Condi das so wollte oder ob seine Kappe einfach gern eigene Wege ging.
In seinen Händen erschien plötzlich ein weiches, weißes Taschentuch.
„Für Tränen gibt es Taschentücher“, sagte er freundlich. „Aber für schwere Gedanken braucht man manchmal etwas anderes.“
Vorsichtig trocknete er Mili-Maus Wangen.
„Weißt du, Mili-Mau“, erklärte Condi, „wenn du ständig gegen das Dunkle kämpfst, verlierst du deine eigene Kraft. Und manchmal wird das Dunkle dadurch sogar stärker.“
Mili-Mau schaute überrascht.
„Also soll ich gar nicht helfen?“
„Doch“, sagte LICHTI. „Aber anders.“
Er nahm einen kleinen Kristall in die Hand. Dieser begann ganz sanft zu leuchten.
„Du hilfst nicht, indem du die Sorgen anderer Menschen auf deine Schultern lädst. Du hilfst, indem du dein eigenes Licht bewahrst.“
Lilibella nickte.
„Ein kleines Licht kann einen ganzen Raum heller machen. Aber es muss selbst brennen dürfen.“
Mili-Mau dachte lange darüber nach.
Dann wurde ihr Gesicht langsam heller.
„Das klingt ganz anders als bisher“, sagte sie. „Ich wollte immer alles reparieren. Ich dachte, wenn ich nur lieb genug bin, werden alle wieder glücklich.“
„Deine Liebe ist etwas Kostbares“, sagte LICHTI. „Aber jeder Mensch hat seinen eigenen Weg.“
Reo hüpfte aufgeregt herum.
„Und du darfst lachen! Du darfst spielen! Du darfst fröhlich sein! Das ist kein Verrat an den Traurigen.“
Mili-Mau musste plötzlich lächeln.
Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich ihr Herz wieder leicht an.
Da fassten sich die LICHTIs an den Händen.
Sie begannen ihren fröhlichen Kreistanz.
Zuerst drehte sich nur LICHTI.
Dann Lilibella.
Dann kamen Condi und Reo hinzu.
Bunte Lichtpunkte wirbelten durch die Luft. Kleine Glitzerbälle erschienen und flogen von einem LICHTI zum anderen.
Die Kleidung der LICHTIs bekam plötzlich neue Muster: kleine Sterne, Punkte, Blüten und Regenbogenfarben erschienen darauf.
Mili-Mau lachte.
Und während sie lachte, begann auch ihr eigenes Licht wieder sichtbar zu werden.
Es war nicht laut.
Es war nicht grell.
Es war ein warmes, goldenes Leuchten.
Die LICHTIs tanzten schneller und schneller, bis sie mit den Glitzerbällen zu einem einzigen bunten Lichtwirbel wurden.
Dann wurde alles still.
Mili-Mau blinzelte.
Vor ihr auf dem Waldboden lag etwas, das sanft schimmerte.
Ein schöner großer farbloser Kristall.
Vorsichtig hob sie ihn auf.
Er war wunderschön.
Doch das Erstaunlichste war:
Der Kristall begann sich zu färben.
Er leuchtete sonnengelb. Mili-Mau staunte.
„Das ist ein Stimmungskristall!“, erklärten die LICHTIs. „Solche Kristalle geben unsere Stimmung in Farben wieder, sobald wir ihn berühren.“
Das Mädchen war gerade fröhlich. Ah, deshalb leuchtete der Stein sonnengelb auf.
Im nächsten Moment erinnerte sie sich, wie sie weinen musste. Der Kristall spürte sofort, dass sie Trost brauchte, und leuchtete zartblau auf.
Mili-Mau verstand und nahm all ihren Mut zusammen. Der Kristall begann in kräftigem Grün zu funkeln.
„Er erinnert dich an dein eigenes Licht“, sagte LICHTI. „Er sieht aber wieder ganz unauffällig aus, wenn die ihn ablegst.“
Mili-Mau drückte den Kristall vorsichtig an ihr Herz. Ein sanftes Rosa huschte durch den Stein.
„Danke, liebe LICHTIs. Klappt das bei meinem weißen Kätzchen auch?“ Sie nickten. „Die Farben erscheinen im Kristall bei Katzen ein wenig anders. Du darfst diesen Kristall gerne als Geschenk behalten und mitnehmen. Da kannst du es gleich versuchen.“
Man winkte sich zu. Mili-Mau eilte dankbar und fröhlich heim.


Teil 3 – Bei den Wolkingern
Die LICHTIs setzten ihre Reise fort.
Sie stiegen höher und höher hinauf, bis sie die geheimnisvolle Wolkenwelt erreichten.
Dort lebten Freunde, die Wolkinger.
Die Wolkinger sahen aus wie Wölkchen mit zarten Armen und Beinchen. Sie hatten fröhliche Kulleraugen und liebten es, mit dem Wind zu spielen.
Der Wind war ihr bester Freund.
Wenn er sanft über den Himmel strich, ließen sie sich treiben und tanzten miteinander.
Wenn ein Sturm kam, kugelten sie sich zusammen und warteten geduldig, bis der Himmel wieder freundlich wurde.
Die Sonne liebten sie ebenso wie die Sterne.
Ihr schönster Platz war ein großer Wolkenteppich. Dort erfanden sie jeden Tag neue Spiele, Tänze und Kunststücke.
Regeln gab es natürlich auch.
Aber die Wolkinger hatten eine besondere Regel:
Die besten Regeln dürfen sich verändern, wenn neue Ideen entstehen.
Zum Abschied bauten die Wolkinger für die LICHTIs eine wunderschöne Regenbogenrutsche.
Es machte allen Freunden großen Spass, wieder und wieder auf von der hohen Rutsche auf einen sanften Wolkenteppich zu purzeln.
Als alle genug von ihren Wolkenspielen hatten, war wieder Zeit für eine Abschied gekommen.

Von der Regenbogenrutsche der Wolkinger glitten LICHTI und seine Freunde langsam ein letztes Mal hinunter.
„Kommt bald wieder!“, riefen die Wolkiger ihren Freunden nach.
LICHTI und seine Freunde sausten auf bunten Farbenstrahlen zurück zur Erde.

Teil 4 – Die WASSIs, das Meer und die Heimkehr
Doch diesmal führte ihr Weg nicht über Wälder und Berge.
Sie landeten mitten im großen, weiten Meer.
Dort, im tiefblauen Atlantik, warteten schon ihre nächsten Freunde.
Die Wassergeisterchen.
Die LICHTIs nannten sie liebevoll die WASSIs.
Auch die WASSIs hatten leuchtende Augen und kleine zackige Köpfchen wie die LICHTIs. Doch alles an ihnen erinnerte an das Wasser.
Ihre Kleidchen schimmerten wie kleine Wellen. Darauf tanzten Muster aus Perlen, Muscheln und funkelnden Wasserkringeln.
Die WASSIs konnten schwimmen, tauchen, hüpfen und sogar ein kleines Stück durch die Luft schweben.
Am liebsten spielten sie mit den Wellen.
Sie ließen sich auf großen Wogen tragen, sausten über die Wasserberge und machten lustige Sprünge, wenn die Sonne auf das Meer glitzerte.
„Das Meer erzählt jeden Tag neue Geschichten“, sagte eine kleine WASSI-Dame.
„Man muss nur gut zuhören.“
LICHTI legte seine Hand auf die Wasseroberfläche.
Er spürte das sanfte Schwingen der Wellen.
„Das Wasser erinnert sich an alles“, sagte er leise.
„An Regentropfen hoch oben in den Wolken, an kleine Bäche in den Bergen und an die großen Meere, in denen es wieder zusammenkommt.“
Die WASSIs nickten.
„Darum müssen alle Lebewesen gut auf das Wasser achten.“
Da hörten sie ein fröhliches Pfeifen.
Eine Gruppe Delfine kam näher.
Die Delfine konnten die WASSIs sehen – und sie konnten auch das besondere Leuchten der LICHTIs erkennen.
Denn wer ein offenes Herz hat, sieht oft mehr als nur mit den Augen.
„Möchtet ihr mit uns schwimmen?“, fragten die Delfine.
Natürlich ließen sich die LICHTIs das nicht zweimal sagen.
Vorsichtig setzten sie sich auf diecken ihrer neuen Freunde.
Die Delfine schwammen durch das klare Wasser, drehten sanfte Kreise und sprangen über die Wellen.
Die LICHTIs lachten vor Freude.
Sie strahlten so hell, dass das Meer ringsum zu funkeln begann.
Es sah aus, als hätte ein Stern beschlossen, ein Bad im Ozean zu nehmen.
Die WASSIs klatschten begeistert in ihre kleinen Wasserhändchen.
„Noch einmal!“, riefen sie.
Und die Delfine drehten noch eine fröhliche Runde.
Nach all diesen wunderbaren Erlebnissen machten sich LICHTI und seine Freunde wieder auf den Heimweg.
Die Sonne ging langsam unter.
Am Himmel erschienen die ersten Sterne.
Sie flogen zurück in die Berge, wo sie einen geheimen Ruheplatz kannten.
Tief zwischen alten Tannenwurzeln lag eine kleine gemütliche Höhle.
Dort war es warm und still.
Die LICHTIs kuschelten sich zusammen und legten ihre Kristalle neben sich.
Auch Mili-Maus Kristall leuchtete irgendwo weit entfernt noch ein wenig.
Er erinnerte sie daran:
Ihr eigenes Licht war immer da.
Manchmal war es nur versteckt.
Aber wer es wiederfindet, kann damit die Welt ein kleines bisschen heller machen.
Und so ruhten LICHTI und seine Freunde unter den Tannen.
Denn sie wussten:
Schon bald würde wieder ein neues Abenteuer beginnen.
Ein Abenteuer voller Licht, Freundschaft und Hoffnung.
Teil 5 – Mili-Mau und der Kristall des eigenen Lichts

Viele Monate waren vergangen, seit Mili-Mau LICHTI und seine Freunde am alten knorrigen Baum im Wald begegnet war.
Doch den schönen Kristall, den die LICHTIs ihr damals geschenkt hatten, bewahrte sie noch immer.
Er war für Mili-Mau zu einem besonderen Freund geworden.
Nicht, weil er alle Sorgen wegzaubern konnte.
Sondern weil er sie immer daran erinnerte:
Das eigene Licht ist niemals verschwunden. Manchmal wird es nur von Wolken verdeckt.
Am Tag lag der Kristall auf einem Kästchen mit ihren Lieblingsandenken.
Nachts legte Mili-Mau ihn neben ihr Bett.
Denn auch wenn sie viel gelernt hatte, gab es noch immer schwierige Tage.
Tage, an denen Menschen traurig waren.
Tage, an denen Worte weh taten.
Tage, an denen die Welt ein wenig grau erschien.
Dann nahm Mili-Mau den Stimmungskristall in ihre Hände und dachte an LICHTIs Worte:
„Du musst das Dunkle nicht bekämpfen. Hüte dein eigenes Licht.“
Eines Morgens geschah etwas Seltsames.
Der Kristall begann zu leuchten.
Zuerst ganz zart.
Dann immer heller.
Aber diesmal war seine Farbe nicht blau.
Nicht golden.
Nicht violett.
Er schimmerte in allen Farben des Regenbogens zugleich.
Mili-Mau hielt den Atem an.
„Was möchtest du mir zeigen?“, fragte sie.
Da löste sich ein kleiner Lichtfunke aus dem Kristall.
Er schwebte durch das Zimmer, hinaus zum Fenster und weiter in Richtung Wald.
Mili-Mau folgte ihm.
Der Lichtfunke führte sie genau zu jenem alten Baum, unter dem sie einst so traurig gesessen hatte.
Und dort warteten LICHTI und seine Freunde.
„Wir wussten, dass dein Kristall eines Tages ganz besonders leuchten würde“, sagte LICHTI.
Mili-Mau staunte.
„Woher habt ihr das gewusst?“
Lilibella lächelte.
„Manche Kristalle zeigen nicht die Zukunft. Sie zeigen, wenn jemand innerlich gewachsen ist.“
Condi rückte sein rotes Käppchen zurecht.
„Und dein Kristall hat bemerkt, dass du etwas ganz Wichtiges gelernt hast.“
„Was denn?“, fragte Mili-Mau.
LICHTI hielt einen kleinen Kristallstab in die Höhe.
„Du hast gelernt, dein eigenes Licht zu bewahren und trotzdem für andere da zu sein.“
Reo hüpfte vor Freude.
„Du bist eine Lichtfinderin geworden!“
Mili-Mau lachte.
„Eine Lichtfinderin? Was macht die?“
„Eine Lichtfinderin sucht nicht nach Fehlern“, erklärte LICHTI.
„Sie sucht nach den kleinen Lichtfunken, die in jedem Wesen verborgen sind.“
„Manchmal in einem Kind, das sich allein fühlt.“
„Manchmal in einem Tier, das Hilfe braucht.“
„Manchmal in einem Menschen, der sein eigenes Licht vergessen hat.“
Mili-Mau betrachtete ihren Kristall.
Jetzt verstand sie.
Er war kein Stein, der alle Probleme löste.
Er war ein Freund.
Ein Freund, der sie erinnerte.
Jedes Wesen trägt Licht in sich.
Manchmal braucht es nur jemanden, der daran glaubt.
Und so begann für Mili-Mau ein neues Abenteuer.
Nicht als LICHTI.
Nicht als Mensch, der alles verändern musste.
Sondern als Brücke zwischen den Welten.
Denn manchmal sind es gerade die Wesen, die beide Seiten kennen, die am besten verstehen können.
Von diesem Tag an gehörte Mili-Mau zur großen Gemeinschaft der LICHTIs.
Und wenn irgendwo ein kleines Licht vergessen wurde, begann ihr Kristall wieder zu leuchten.

Teil 6 – Rast unter den alten Tannen
Nach diesen wunderbaren Ausflügen ziehen sich Lichti und seine Freunde kurz in die Berge zurück. Sie kennen irgendwo in den Alpen einen feinen Schlafplatz unter Tannenwurzeln. Dort ruhen sie sich für ihre nächsten Abenteuer aus und hören den Bäumen zu.
Die alten Fichten, Lärchen und Tannen erzählen ihren Kindern, was sie schon alles erlebt haben: Hitze, Kälte, schwere Stürme, tiefen Schnee.
Doch sie wissen auch weit mehr über Mensch und Tier zu berichten, als man glauben würde. Die Baumgeister sind nicht fest mit dem Baum verbunden, sondern können Wanderausflüge unternehmen.
Die Nadeln der Nadelbäume sind wie kleine Verstärker und können Geschehnisse, Wünsche und Antworten weiter leiten.
Aber nach und nach wurde auch der munterste LICHTI müde und nickte ein. In ihren Träumen spielten sie mit den Waldtieren und eine freundliche alte Eule verriet ihnen einige besonders schöne Plätze in der Natur.

Teil 7 – Das Geheimnis des lebendigen Wassers
Seit Mili-Mau eine sogenannte Lichtfinderin geworden war, hatte sie viele wunderbare Dinge erlebt.
Ihr Kristall zeigte ihr nicht nur ihr eigenes Licht.
Er half ihr auch, die kleinen Lichtfunken in anderen Wesen zu entdecken.
Eines Tages begann der Kristall abermals ganz ungewöhnlich zu schimmern.
Er leuchtete blau.
Aber nicht wie der Himmel.
Nicht wie ein See.
Es war ein tiefes, lebendiges Blau, als würde darin ein ganzes Meer verborgen sein.
„LICHTI!“, rief Mili-Mau.
Schon kurze Zeit später erschienen LICHTI und seine Freunde.
Auch Gailino kam dazu.
Gailino war ein neugieriger kleiner LICHTI, der besonders gerne die Natur beobachtete. Er kannte viele Tiere, Pflanzen und die Geheimnisse der Berge.
„Dein Kristall ruft, weil irgendwo das Wasser Hilfe braucht“, sagte Gailino.
„Wir sollen also dem Wasser helfen?“, fragte Mili-Mau.
Gailino nickte.
„Ja. Wasser ist nicht nur etwas, das man trinkt. Wasser ist ein Geschenk des Lebens. Und manchmal gibt es da zu tun.“
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg.
Der Kristall führte sie hinauf in die Berge.
Dort fanden sie eine kleine Quelle zwischen Moosen, Blumen und alten Steinen.
Doch etwas war anders.
Die Quelle glitzerte nicht mehr wie früher.
Das Wasser floss langsam und wirkte traurig.
„Was ist geschehen?“, fragte Mili-Mau.
Da kamen die WASSIs aus dem Bach gesprungen.
Ihre Wellenkleidchen schimmerten, aber die Gesichter der Wassergeisterchen waren nachdenklich.
„Das Wasser braucht Hilfe“, sagte ein WASSI-Mädchen.
„Denn viele Menschen vergessen, wie wertvoll es ist. Diese Quelle wurde einst sehr geachtet, und nun besucht sie schon seit Jahren niemand mehr.“
Gailino kniete sich zur Quelle.
Er hörte ganz genau hin.
Denn Gailino wusste:
Wer die Natur verstehen möchte, muss zuerst zuhören.
„Die Quelle ist nicht traurig oder enttäuscht. Es hat sie nur müde gemacht, dass sie niemand beachtet.“
Die LICHTIs legten ihre Hände auf die Steine rund um die Quelle.
Die WASSIs sangen ein leises Wasserlied.
Mili-Mau befand sich inmitten von einem ungewöhnlichen Schauspiel. Sie hielt ihren Kristall in der Hand.
Er begann aufzuleuchten, doch diesmal zeigte er Bilder.
Eine Schneeflocke hoch oben am Berg.
Einen Regentropfen über einer Wiese.
Einen Bach, der durch ein Tal fließt.
Eine Hand, die einem durstigen Tier Wasser reicht.
Alle sahen:
Wasser verbindet alles.
Die Wolken.
Die Berge.
Die Pflanzen.
Die Tiere.
Die Menschen.
„Der Wasser-Kristall erinnert uns daran“, sagte LICHTI, „dass jedes kleine Tröpfchen wichtig ist.“
Gailino lächelte.
„Und dass wir gut darauf achten müssen.“
Die WASSIs tanzten um die Quelle.
Ihre Bewegungen wurden schneller.
Das Wasser begann wieder zu glitzern.
Die Quelle war wieder munter wie eh und je und funkelte vor lauter Dankbarkeit.
Ein kleiner Tropfen löste sich aus der Quelle, dann wieder einer und noch einer…
Die Wassertröpfchen verbanden sich vor ihren staunenden Augen und verwandelten sich in einen winzigen neuen Kristall, der wuchs und bald so groß wurde wie Mili-Maus Stimmungskristall.
Er war durchsichtig und schimmerte gleichzeitig in vielen Blautönen.
„Das ist ein Dankeskristall, den uns soeben die Wasserfee aus einigen Wassertropfen geschaffen hat“, sagte eine WASSI.
„Er gehört nicht einem Einzelnen.“
Mili-Mau schaute erstaunt.
„Wem gehört er dann?“
Die WASSI lächelte.
„Allen, die das Wasser lieben und schützen.“
„Was tun wir damit?“ fragte Mili-Mau.
„Wir verbergen ihn an der Quelle, da gehört er hin“, sagte Lilibella.
„Und was ist mit der Quelle? Sie wird wohl nicht wieder gleich müde werden?“
Der kecke Reo meinte: „Mach dir keine Sorgen, Mili-Mau. Die Menschen beginnen die Natur wieder mehr zu schätzen. Daher wird auch diese liebe kleine Quelle bald wieder Besucher haben.“
Die LICHTIs wissen:
Wo Wasser fließt, kann Leben entstehen.
Und wo Menschen achtsam sind, beginnt die Erde wieder zu leuchten.

Ur-Version 2012
LICHTI und Mili-Mau
(Die Lichtmännlein helfen Mili-Mau, von Kristallen und Tänzen, Reiseabenteuer in der Wolken-Welt und am Meer)
Gia Simetzberger, im Oktober 2012
–
Wenn der Vollmond scheint, und auch wenn bei Neumond können besonders zauberhafte Dinge passieren. Beobachtet nur einmal!
Die lieben Lichtmännlein und Lichtmädchen wissen das schon lange. In Vollmondnächten legen sie ihre Bergkristalle auf bunten Filzmatten ins Freie, damit sie Mondstrahlen aufnehmen können. Das gibt den Steinen neue Kraft.
IMG_6971.JPGLICHTI hat einen besonders hübschen Kristall, den er manchmal unter seinen Kopfpolster legt. Die Lichtmännlein können aber auch Geschichten und Heilsprüche in Kristallstäben abspeichern. Sie heilen Pflanzen und Tiere mit diesen Sprüchen. Die Kristalle verstärken den Heilspruch. Man sollte mit Kristallen sehr vorsichtig umeghen, denn sie verstärken alles, was man denkt!
Als LICHTI und einige seiner Freunde eines Tages mit ihren Glitzersteinen spielen und plaudern, erblicken sie ein weinendes Menschenkind.
Ein kleines Mädchen mit großen, verträumten Augen, aus denen gerade dicke Tränen rollen, kauert am Waldrand unter einem knorrigen Baum.
Mili-Mau nennen es seine Spielkameraden, weil es ein weißes Kätzchen namens Mili pflegt.
„Mili-Mau, was ist mit dir?“, fragt LICHTI besorgt. Mit einem Bündel bunter Lichtstrahlen versucht er das Mädchen zu streicheln und ein wenig aufzuheitern. Sie umspielen das hellblaue Kleidchen, das feine Haar, kitzeln ein wenig am Näschen…
„Ach, seufzt Mili-Mau, „es ist so schwer, hier zu leben! Manchmal wär‘ ich noch gern in diesem schönen Land, in dem ich fliegen konnte und wo wir alle so fröhlich waren!“
LICHTI meint tröstend: „Aber schau, wir sind alle hier, weil wir uns was vorgenommen haben!“
Die elfenhafte Lilibella, das Lichtimädchen mit den vielen bunten Schleifen auf ihren Lichtzacken auf dem Kopf, nickte zustimmend.
Mili-Mau zeigt sich verstehend. „Aber weißt du… Du leuchtest so schön und auch in mir ist Licht, auch wenn ich’s bei mir nur spüre. Und bei manchen anderen Kindern spüre ich es auch. Ganz viel bei Toni-Tobi und Sambi-Du. Und bei Liasara!
Bei manchen ist es ein bisschen verschüttet. Aber bei meinen Eltern, bei meinem großen Bruder Rego, bei meiner Oma und sogar bei Omas Katze ist alles grau. Manchmal sticht es sogar, oder es blitzt ganz rot. Dann wird mein Herz traurig und ich bin so allein! So wie heute!“
„Ja, das kann ich auch alles spüren und weiß, wie es dir ergeht,“ ruft Lichtinchen mit den drei verwirbelten Zacken am Köpfchen, und Reo, der kleine drollige Kerl, der mit grünen und roten Pünktchen, wackelte mit dem Kopf und fuchtelte mit seinen knolligen Händchen.
„Viele Erwachsene können nicht mehr lachen. Dein Bruder hat leider auch so viel von dem Schattigen aufgenommen. Unmerklich hat es von ihnen Besitz genommen, weil sie sich von unguten Gedanken Energie nehmen lassen. Wenn sie es besser wüssten, würden sie strahlen und leuchten wie wir!“
Mili-Mau beginnt wieder zu schluchzen. Ihr ganzer Jammer kommt jetzt zum Vorschein. „Ich versuche ja so sehr, ihnen zu helfen, aber dann wird es noch schlimmer statt besser!“
„Richtig beobachtet!“ lobt Condi, ein Lichtmännlein mit einem hellroten Baseball-Käppchen. Condi hat plötzlich ein Taschentuch in den Händen und trocknet Mili-Maus Tränen. „Wenn du dich wehrst oder helfen möchtest, verlierst du Kraft. Ja du stärkst das Dunkle. Tu’s nimmer! Es ist nicht deine Aufgabe!“
Und Lichti meint: „Ja, du sollst nur schauen, dass es dir gut geht. Tu‘ so oft und so viel wie möglich, was dir Freude bereitet. Wirklich gute Freunde sind wichtig! Alles geschieht, damit du etwas daraus lernst! Und du schaffst es!“
Milli-Mau hört zu weinen auf, denkt nach, beginnt zu lächeln. „So habe ich das noch nie gesehen. Danke, liebe Lichtmännlein und Lichtmädchen!“
Die Lichtmännlein-Schar beginnt einen lustigen Kreistanz. Sie zaubern kleine bunte Bälle herbei und werfen sich diese leichten Bällchen zu. Ihre Kleidchen bekommen Pünktchen in vielen Farben. Alles geschieht ganz flink. Schließlich scheinen sich Lichtmännlein und Bällchen zu verwirbeln und verschwinden vor Mili-Maus erstaunten Augen.
Mili-Mau sieht etwas am Boden glänzen. Es ist ein schöner Kristall. Wie wunderbar! Er nimmt die Farbe an, die sich das Mädchen gerade wünscht. Glücklich nimmt sie diesen neuen kleinen Freund mit nach Hause, den ihr die Lichtmännlein geschenkt haben.
Weiter geht der Ausflug der Lichtmännlein. Sie fliegen zur Wolkenwelt und besuchen ihre Freunde, die Wolkinger. Sie sehen wie kleine Wölkchen mit zarten Ärmchen und Beinchen aus mit fröhlichen Kulleraugen.
Diese Wolken-Wesen leisten gerne den Wolkenkindern Gesellschaft. Der Wind ist ihr Freund. Wenn Stürme toben, kugeln sie sich ein. Sie lieben die Sonne und die Sterne.
Ein Wolkenteppich ist ihre Bühne, auf der sie Kunststückchen vorführen. Sie tanzen und trällern gern und kugeln kunstvoll nach Spielregeln auf dem Wolkenteppich umher. Die Regeln erfinden sie immer wieder neu.
Von den Wolkingern, die ihren Besuchern zum Abflug eine Regenbogen-Rutsche bauen, geht es wieder nach unten, aber nicht auf ein Landgebiet, sondern aufs Meer.
Im Atlantik haben LICHTI und seine Freunde eine Verabredung mit den Wassergeisterchen. Wie die Lichtmännlein haben auch die „WASSIs“ zackige Köpfchen und Kulleraugen und leben voller Freude und Frohsinn.
Alles an ihnen aber ist wässerig, auch ihre Kleidchen, die mit wellenförmigen Dekorationen geschmückt sind.
Die Wassergeisterchen führen ein paradiesisches Leben. Sie können ganz gut tauchen. Sie fliegen und hüpfen von Welle zu Welle. Ihre liebsten Vergnügen sind Wellenschaukeln und Wellenreiten.
Delfine können die Wassergeisterchen gut sehen.
Gerne lassen sie es zu, dass WASSI-Kinder auf ihrem Rücken Platz nehmen, und drehen mit ihnen einige vorsichtige Runden. Die WASSIs sprechen ein wenig Delfinisch.
Freilich sind die Delfine auch gerne bereit, die Lichtmännlein aufsitzen zu lassen. Die Lichtmännlein und Lichtmädchen strahlen vor Vergnügen. So sehr, dass das Meer an dieser Stelle so sehr funkelt, als würde ein Stern darin baden.
Nach diesen wunderbaren Ausflügen ziehen sich Lichti und seine Freunde für ein paar Tage in die Berge zurück. Sie kennen irgendwo in den Alpen einen feinen Schlafplatz unter Tannenwurzeln. Dort ruhen sie sich für ihre nächsten Abenteuer aus.
Fragmente
Kapitel 5
Der Wasser-Kristall
Gailino und das Geheimnis des lebendigen Wassers
Seit Mili-Mau eine Lichtfinderin geworden war, hatte sie viele wunderbare Dinge erlebt.
Ihr Kristall zeigte ihr nicht nur ihr eigenes Licht.
Er half ihr auch, die kleinen Lichtfunken in anderen Wesen zu entdecken.
Eines Tages begann der Kristall ganz ungewöhnlich zu schimmern.
Er leuchtete blau.
Aber nicht wie der Himmel.
Nicht wie ein See.
Es war ein tiefes, lebendiges Blau, als würde darin ein ganzes Meer verborgen sein.
„LICHTI!“, rief Mili-Mau.
Schon kurze Zeit später erschienen LICHTI und seine Freunde.
Auch Gailino kam dazu.
Gailino war ein neugieriger kleiner LICHTI, der besonders gerne die Natur beobachtete. Er kannte viele Tiere, Pflanzen und die Geheimnisse der Berge.
„Dieser Kristall ruft nach dem Wasser“, sagte Gailino.
„Nach dem Wasser?“, fragte Mili-Mau.
Gailino nickte.
„Ja. Wasser ist nicht nur etwas, das man trinkt. Wasser ist ein Geschenk des Lebens.“
Gemeinsam machten sie sich auf den Weg.
Der Kristall führte sie hinauf in die Berge.
Dort fanden sie eine kleine Quelle zwischen Moosen, Blumen und alten Steinen.
Doch etwas war anders.
Die Quelle glitzerte nicht mehr wie früher.
Das Wasser floss langsam und wirkte traurig.
„Was ist geschehen?“, fragte Mili-Mau.
Da kamen die WASSIs aus dem Bach gesprungen.
Ihre Wellenkleidchen schimmerten, aber ihre Gesichter waren nachdenklich.
„Das Wasser braucht Hilfe“, sagte eine kleine WASSI-Dame.
„Viele Menschen vergessen, wie wertvoll es ist.“
Gailino kniete sich zur Quelle.
Er hörte ganz genau hin.
Denn Gailino wusste:
Wer die Natur verstehen möchte, muss zuerst zuhören.
„Die Quelle ist nicht böse“, sagte er.
„Sie ist nur müde.“
Die LICHTIs legten ihre Hände auf die Steine rund um die Quelle.
Die WASSIs sangen ein leises Wasserlied.
Und Mili-Maus Kristall begann zu leuchten.
Doch diesmal zeigte er keine Farbe.
Er zeigte Bilder.
Eine Schneeflocke hoch oben am Berg.
Einen Regentropfen über einer Wiese.
Einen Bach, der durch ein Tal fließt.
Eine Hand, die einem durstigen Tier Wasser reicht.
Alle sahen:
Wasser verbindet alles.
Die Wolken.
Die Berge.
Die Pflanzen.
Die Tiere.
Die Menschen.
„Der Wasser-Kristall erinnert uns daran“, sagte LICHTI, „dass jedes kleine Tröpfchen wichtig ist.“
Gailino lächelte.
„Und dass wir gut darauf achten müssen.“
Die WASSIs tanzten um die Quelle.
Ihre Bewegungen wurden schneller.
Das Wasser begann wieder zu glitzern.
Ein kleiner Tropfen löste sich aus der Quelle und verwandelte sich in einen neuen Kristall.
Er war durchsichtig wie Eis und schimmerte gleichzeitig in allen Blautönen.
„Das ist der Wasser-Kristall“, sagte eine WASSI.
„Er gehört nicht einem Einzelnen.“
Mili-Mau schaute erstaunt.
„Wem gehört er dann?“
Die WASSI lächelte.
„Allen, die das Wasser lieben und schützen.“
Von diesem Tag an trugen die LICHTIs den Wasser-Kristall bei ihren Reisen.
Nicht als Besitz.
Sondern als Erinnerung.
Denn sie wussten:
Wo Wasser fließt, kann Leben entstehen.
Und wo Menschen achtsam sind, beginnt die Erde wieder zu leuchten.