🛸 Die kleinen Reisenden von Avelis

Niemand wusste genau, wer die winzigen Flugschalen gebaut hatte.

Auf Avelis nannte man sie nur Lichterboote.

Sie waren kaum größer als ein Tisch und flogen lautlos zwischen den hohen, türkisfarbenen Gewächsen hindurch, die nachts selbst zu leuchten begannen. In ihren runden Glaskuppeln saßen die Reisenden und folgten den goldenen Linien am Himmel.

Diese Linien waren keine Straßen.

Sie waren Erinnerungen.

Jedes Mal, wenn auf Avelis jemand etwas Schönes erlebte – eine unerwartete Freundschaft, ein wiedergefundenes Tier, ein Lied, das jemanden tröstete –, erschien irgendwo am Himmel für wenige Stunden eine feine goldene Spur.

Die Lichterboote sammelten diese Spuren ein.

Nicht um sie zu besitzen.

Sondern damit sie nicht verloren gingen.

Eines Abends bemerkte die junge Pilotin Seya eine Linie, die anders leuchtete als alle anderen.

Sie war blasser.

Fast durchsichtig.

„Die verschwindet“, sagte ihr Begleiter.

Seya steuerte sofort darauf zu.

Je näher sie kamen, desto deutlicher spürte sie etwas Merkwürdiges: keine Freude, keine Erinnerung, keine Trauer.

Nur Hoffnung.

Eine Hoffnung, die noch gar nichts erlebt hatte.

Seya lächelte.

„Die dürfen wir nicht einsammeln.“

„Warum nicht?“

„Weil sie noch gebraucht wird.“

Sie drehten das Lichterboot um.

Hinter ihnen blieb die feine Spur am Himmel stehen.

Am nächsten Morgen war sie verschwunden.

Aber irgendwo auf Avelis wachte ein Wesen auf und fasste plötzlich den Mut, etwas zu beginnen, das es am Abend zuvor noch für unmöglich gehalten hatte