06/Episode 5 – Jeffs großes Geheimnis

Ein paar Tage später fällt Konrad auf, dass sein Schulfreund Jeff in den Pausen oft allein auf einer Bank sitzt.

Früher hätte Konrad sich vielleicht nicht getraut, ihn anzusprechen. Doch inzwischen hat er gelernt, kleine Schritte zu machen.

Er setzt sich einfach neben ihn.

„Ist alles in Ordnung?“

Jeff zuckt mit den Schultern.

„Schon.“

Eine Weile sagen beide nichts.

Dann fragt Konrad vorsichtig:

„Du siehst aber gar nicht so aus.“

Jeff seufzt.

„Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?“

„Natürlich.“

Jeff schaut sich um, ob niemand zuhört.

Dann sagt er ganz leise:

„Ich habe schreckliche Angst, allein zu sein.“

Konrad sieht ihn überrascht an.

„Allein zu Hause?“

Jeff nickt.

„Ja. Sobald Mama oder Papa weggehen müssen, bekomme ich Bauchweh. Ich renne von Zimmer zu Zimmer und glaube immer, dass etwas Schlimmes passieren könnte. Manchmal traue ich mich nicht einmal in den Keller oder auf den Dachboden.“

Konrad denkt nach.

„Das muss furchtbar sein.“

Jeff nickt.

„Ich weiß selbst, dass es meistens gar keinen Grund gibt. Aber die Angst hört einfach nicht auf.“

Konrad erinnert sich an seine ersten Begegnungen mit den LICHTIs.

Auch er hatte geglaubt, seine Schwierigkeiten würden nie besser werden.

„Weißt du“, sagt er schließlich, „ich kenne jemanden, der vielleicht helfen kann.“

Jeff schaut ihn neugierig an.

„Einen Arzt?“

Konrad schüttelt den Kopf.

„Nein.“

„Einen Zauberer?“

Jetzt muss Konrad lachen.

„Auch nicht.“

„Wer denn?“

Konrad lächelt geheimnisvoll.

„Freunde.“

„Freunde?“

„Ganz besondere Freunde.“

Jeff runzelt die Stirn.

„Davon hast du mir noch nie erzählt.“

„Weil ich zuerst selbst herausfinden wollte, ob sie wirklich helfen können.“

„Und?“

Konrad nickt.

„Sie lösen keine Probleme mit Zauberei. Aber sie helfen dir, sie zu verstehen. Und wenn man etwas versteht, verliert die Angst oft ein Stück von ihrer Macht.“

Jeff schaut seinen Freund lange an.

„Glaubst du, dass sie auch mir helfen könnten?“

Konrad lächelt.

„Das entscheiden nicht sie.“

„Sondern?“

„Du.“

„Ich?“

„Ja. Man muss bereit sein, sich selbst kennenzulernen.“

Jeff schweigt.

Dann nickt er langsam.

„Ich glaube … ich möchte das versuchen.“

Konrad freut sich.

„Dann komm morgen nach der Schule zu mir. Ich möchte dir etwas zeigen.“

Jeff lächelt zum ersten Mal an diesem Tag.

Vielleicht war dies der Anfang eines ganz neuen Abenteuers.

Und irgendwo, weit draußen in der Veränderungswelt, lächelten drei LICHTIs – als hätten sie schon lange auf Jeff gewartet.