👧 Die LICHTIs und der lustige Sommertag

An einem warmen Sommertag wachten die drei Lichti-Kinder Tobby, Laddy und Ridda schon früh auf. Durch die kleinen Fenster ihrer Holztürmchen fiel goldenes Sonnenlicht, und draußen glitzerte die Welt, als hätte jemand lauter winzige Sterne auf die Wiesen gestreut.

„Heute gehen wir zum Bach!“, rief Tobby, kaum dass er aus dem Bett gehüpft war.

„Und zum Sandplatz!“, ergänzte Laddy.

Ridda nickte begeistert. „Und wir nehmen unsere kleinen Schaufeln mit!“

Die drei frühstückten rasch, schlüpften in ihre leichten Sommertunikas und liefen barfuß hinaus. Das Gras war noch ein wenig kühl vom Morgen, aber die Luft war schon warm und duftete nach Kräutern, Sonne und Wald.

Hinter den Wohntürmchen führte ein schmaler Pfad hinunter zu einer hellen Stelle am Bach. Dort floss das Wasser nicht zu schnell, und am Ufer hatte sich über viele Tage und Wochen ein schöner, weicher Sandplatz gebildet. Für die Lichti-Kinder war das einer der herrlichsten Orte der Welt.

„Wer zuerst beim Wasser ist!“, rief Tobby.

Schon sausten alle drei los.

Tobby sprang mit einem Platschen ins flache Wasser, dass die Tropfen nur so flogen. Laddy quietschte vergnügt und rannte gleich hinterher. Ridda hob zuerst vorsichtig den Saum ihrer Tunika, doch schon im nächsten Augenblick musste sie lachen und stapfte ebenfalls hinein.

„Wie herrlich kühl!“, rief sie.

„Und schau!“, sagte Laddy und ließ Wasser durch ihre Finger rieseln. „Es glänzt ja wie flüssiges Licht!“

Die drei setzten sich mitten an den Rand des Baches und begannen zu bauen. Zuerst entstanden kleine Dämme aus Sand, dann ein Bachbett für ein Seitenrinnsal, dann ein runder Teich, der so groß werden sollte wie ein Königsbad für Frösche.

Tobby schleppte nassen Sand heran.

Laddy glättete die Wände.

Ridda schmückte alles mit kleinen Steinen, Blättern und zwei besonders hübschen Federn, die sie im Gras gefunden hatte.

Doch kaum war der kleine Teich fertig, brach an einer Stelle das Wasser durch.

„Oh nein!“, rief Tobby.

„Oh doch!“, lachte Laddy.

Denn genau in diesem Moment schoss das Wasser quer über ihre Füße, unterspülte den Sandwall und spritzte ihnen bis an die Knie.

Ridda kreischte vor Vergnügen. „Unser Teich hat beschlossen, auf Reisen zu gehen!“

Also bauten sie weiter.

Sie bauten einen zweiten Damm, einen dritten, einen noch besseren, einen besonders festen und schließlich einen, der so krumm war, dass schon beim Anschauen klar war, dass er nicht lange halten würde.

Als er zusammenfiel, lagen alle drei vor Lachen im Sand.

„Jetzt schau dich an!“, sagte Laddy zu Tobby.

Tobby blickte an sich hinunter. Seine Beine waren nass, auf dem Bauch klebte feuchter Sand, und sogar auf seiner Stirn war ein kleiner heller Fleck gelandet.

„Du selber erst!“, gab er zurück.

Ridda betrachtete ihre Arme. „Ich sehe aus wie paniert!“

Da lachten sie noch mehr.

Bald waren alle drei von oben bis unten ein bisschen nass und ziemlich sandig. Der feuchte Sand klebte an ihren Füßen, an den Knien, an den Händen und sogar an den Ellbogen. Ihre Haare standen in alle Richtungen, und ihre Tuniken hatten Sprenkel, Flecken und kleine Wasserlinien.

Aber kein einziges Lichti-Kind störte sich daran.

Im Gegenteil.

„Das ist gesund“, sagte Tobby ernsthaft, während er sich mit einer Sandhand über die Wange strich.

„Sehr gesund“, bestätigte Laddy ebenso ernsthaft.

Ridda nickte würdevoll. „Und lustig noch dazu.“

Dann hielt es sie nicht mehr auf den Beinen. Sie liefen wieder in den Bach, hüpften von Stein zu Stein, ließen kleine Rindenboote schwimmen und versuchten, mit den Zehen den Sand unter Wasser zu kitzeln. Dabei rutschte Tobby aus und plumpste mit einem großen Platsch mitten ins flache Wasser.

Für einen winzigen Moment war es still.

Dann tauchte er prustend auf und rief: „Ich bin ein Wasserfisch-Lichti!“

Laddy und Ridda konnten kaum stehen vor Lachen.

„Dann sind wir die Sandfisch-Lichtis!“, rief Laddy und ließ sich absichtlich auf den feuchten Ufersand plumpsen.

Ridda tat es ihr nach.

Nun waren sie wirklich herrlich eingesandet.

Gerade als sie wieder einen Wasserlauf umleiten wollten, kam aus der Ferne eine ältere Lichti-Frau des Weges. Sie trug einen Korb mit Kräutern und blieb lächelnd stehen, als sie die drei sah.

„Ach du liebe Sommerzeit“, sagte sie. „Was seid ihr denn für Gestalten geworden?“

Tobby stemmte die Hände in die Hüften. „Wir forschen!“

„An Wasser und Sand“, erklärte Laddy.

„Und an guter Laune“, ergänzte Ridda.

Die ältere Lichti-Frau nickte anerkennend. „Das scheint mir eine sehr wichtige Forschung zu sein.“

„Ist es auch“, sagte Tobby.

„Wir haben herausgefunden, dass nasse Füße fein sind“, sagte Laddy.

„Und dass Sand auf der Haut lustig kribbelt“, sagte Ridda.

„Und dass man sich nicht vor ein bisschen Schmutz fürchten muss“, fügte Tobby hinzu.

Die Lichti-Frau lächelte warm. „Da habt ihr etwas Richtiges gelernt. Wer draußen spielt, die Sonne spürt, das Wasser kennt und die Erde an den Füßen hat, wächst fröhlich und stark heran.“

Die drei Lichti-Kinder gefiel das sehr.

Also spielten sie noch eine gute Weile weiter. Sie bauten aus Sand eine kleine Lichti-Burg mit drei Türmchen und einem Wassergraben. Sie legten einen Weg aus Kieselsteinen dazu, bis Laddy aus Versehen mitten hineintrat und die halbe Burg einstürzte.

„Das war ein Erdbeben“, sagte sie würdevoll.

„Dann müssen wir eben neu bauen“, meinte Ridda.

„Noch besser!“, rief Tobby.

Und so geschah es.

Als die Sonne schon ein wenig tiefer stand und das Licht weicher wurde, riefen die Erwachsenen zum Essen. Nun stapften Tobby, Laddy und Ridda langsam zurück. Aus ihren nassen Fußspuren wurde eine kleine Sommerlinie auf dem Weg. Der Sand rieselte bei jedem Schritt ein bisschen herunter.

Vor den Wohntürmchen blieben sie kurz stehen und sahen einander an.

Sandige Beine.

Nasse Füße.

Verstrubbelte Haare.

Leuchtende Augen.

„Was für ein schöner Tag“, sagte Ridda leise.

„Ja“, meinte Laddy. „Ein echter Lichti-Tag.“

Tobby nickte. „Mit Wasser, Sand und ganz viel Lachen.“

Dann gingen sie hinein, wuschen sich sauber und freuten sich schon beim Abendessen auf morgen.

Denn sie wussten ganz genau:

Der Sommer war noch lang.

Der Bach war noch da.

Der Sand auch.

Und gesund und lustig wurde man draußen am allerbesten.