
Von Elian Lichtfeder, Chronist der LICHTIs
Es gibt eine Zeit im Jahr, auf die ich mich besonders freue.
Nicht wegen der Geschenke. Nicht wegen des Schnees, obwohl ich Schneekristalle wunderschön finde. Und auch nicht wegen der funkelnden Lichterketten.
Ich freue mich auf etwas, das man nicht kaufen kann.
Auf das Leuchten der Menschenherzen.
Schon viele Tage bevor die Menschen Weihnachten nennen, verändert sich etwas auf der Erde. Es ist, als würden viele Herzen gleichzeitig tief einatmen.
Manche werden still.
Manche werden weich.
Manche erinnern sich plötzlich daran, dass sie jemanden vermissen oder jemandem danken möchten.
Dann steigen wir LICHTIs oft auf die höchsten Hügel oder schweben lautlos über Dörfer und Städte. Von dort beobachten wir die kleinen Lichter in den Fenstern.
Aber wir sehen noch etwas anderes.
Etwas, das die meisten Menschen selbst gar nicht bemerken.
Mit jedem guten Gedanken beginnt im Herzen eines Menschen ein winziger Lichtfunke zu glimmen.
Ein freundliches Wort macht ihn heller.
Ein ehrliches Lächeln lässt ihn wachsen.
Eine Umarmung verwandelt ihn in eine kleine Flamme.
Und wenn ein Mensch einem anderen vergibt, entsteht für einen kurzen Augenblick ein Licht, das heller strahlt als tausend Kerzen.
Dann lächeln wir einander an.
„Schau!“, flüstert einer.
„Schon wieder ist eines heller geworden.“
In solchen Nächten brauchen wir gar nicht viel zu tun.
Wir setzen uns auf Dächer, auf Tannenspitzen oder auf alte Kirchtürme und freuen uns einfach mit den Menschen.
Manchmal summen wir einen unserer alten Lichtgesänge.
Manchmal schicken wir einem einsamen Kind einen besonders warmen Lichtstrahl.
Manchmal genügt es auch, einfach da zu sein.
LICHTI sagt oft zu mir:
„Elian, das größte Wunder ist nicht unser Licht.“
Ich habe lange darüber nachgedacht.
Heute glaube ich, ich weiß, was er meinte.
Unser Licht erinnert die Menschen nur an etwas, das längst in ihnen wohnt.
Sie tragen es seit ihrer Geburt in sich.
Es schläft manchmal.
Es versteckt sich hinter Sorgen oder Ängsten.
Doch verschwinden kann es niemals.
Gerade deshalb liebe ich Weihnachten.
Nicht weil überall Lichter brennen.
Sondern weil in diesen Tagen besonders viele Menschen ihr eigenes Licht wiederfinden.
Und jedes Mal, wenn das geschieht, wird die Welt ein kleines bisschen heller.
Vielleicht ist das das eigentliche Weihnachtswunder.
Oder besser gesagt:
Das eigentliche Lichtwunder.