🏔️ Wiralo in der Kletterschule im Gailtal

(Diese Geschichte ist den Gailino-Geschichten entlehnt.)

Wiralo hatte schon am Morgen dieses besondere Kribbeln im Bauch.

Nicht das Kribbeln, das man bekommt, wenn man zu viel Marmelade aufs Frühstücksbrot gestrichen hat. Und auch nicht das Kribbeln, das entsteht, wenn Gailino wieder einmal eine seiner überraschenden Ideen ankündigt.

Nein.

Es war das Abenteuer-Kribbeln.

„Heute ist Kletterschule!“, rief Wiralo und sprang mit einem Satz von seinem Schlafplatz.

Gailino blinzelte verschlafen.

„Die beginnt aber erst später.“

„Eben!“, sagte Wiralo. „Wir könnten schon einmal hinfahren.“

„Und dann?“

„Warten.“

Gailino zog die Decke wieder über den Kopf.

„Du willst freiwillig irgendwo warten?“

Wiralo dachte kurz nach.

„Nein.“

Also lief er hinaus.

Über dem Gailtal lag ein heller Sommertag. Die Berge standen groß und ruhig über den Wiesen, und irgendwo rauschte die Gail zwischen ihren Ufern dahin.

Wiralo blickte hinauf zu den Felsen.

Schon oft hatte er Kletterer beobachtet. Sie wirkten von unten winzig klein. Einer setzte einen Fuß auf einen Vorsprung, griff nach oben, suchte Halt und bewegte sich langsam weiter.

Langsam.

Das war allerdings ein Wort, mit dem Wiralo nicht besonders viel anfangen konnte.

Am liebsten hätte er sich einen Felsen gesucht und gleich ausprobiert, wie weit er hinaufkam.

Doch heute durfte er zum ersten Mal in eine richtige Kletterschule für Kinder, wie es sie auch bei ihnen im Gailtal gab.

Und so machte er sich schließlich mit Gailino auf den Weg.


Am Übungsfelsen wartete bereits die Kletterlehrerin.

Sie hieß Mara und hatte einen Rucksack voller Seile, Gurte, Karabiner und Helme mitgebracht. Ein paar Menschenkinder waren auch schon da.

Wiralo betrachtete die Ausrüstung interessiert.

„Welches Seil ist für die schwierigste Route?“

Mara lächelte.

„Wir beginnen mit dem Gurt.“

„Den kann ich bestimmt schon.“

„Dann zeig einmal.“

Wiralo nahm einen Klettergurt und hielt ihn hoch.

Er drehte ihn nach links.

Dann nach rechts.

Dann steckte er einen Fuß durch eine Schlaufe.

Danach hatte er plötzlich drei Schlaufen dort, wo seiner Meinung nach vorher nur zwei gewesen waren.

Gailino kicherte.

„Das gehört so“, behauptete Wiralo.

Mara sagte nichts.

Sie wartete.

Wiralo sah noch einmal hin.

„Vielleicht … gehört es nicht ganz so.“

Gemeinsam legten sie den Gurt richtig an.

Dann kam der Helm.

Dann das Seil.

Und danach zeigte Mara ihnen etwas, das beim Klettern mindestens ebenso wichtig war wie gute Griffe:

das Sichern.

„Beim Klettern passen wir aufeinander auf“, erklärte sie. „Einer klettert, der andere sichert. Bevor es losgeht, kontrollieren beide gemeinsam Gurt, Knoten, Seil und Sicherungsgerät. Das ist der Partnercheck.“

Die Kinder übten zunächst am Boden.

Wiralo schaute schon wieder zum Felsen.

Direkt über ihm befand sich ein schöner großer Griff.

Und ein Stück darüber noch einer.

Und noch einer.

„Wiralo?“

„Hm?“

„Was macht dein Sicherungspartner, bevor du loskletterst?“

Wiralo sah auf Gailino.

Dann auf das Seil.

„Er passt auf mich auf.“

„Genau“, sagte Mara. „Und du passt genauso auf ihn auf, wenn er klettert.“

Das gefiel Wiralo.

Nicht nur ich klettere.

Sondern: Wir machen das gemeinsam.

Mara zeigte ihnen, wie das Seil geführt wird und worauf ein Sichernder achten muss. Bei den ersten Versuchen blieb sie unmittelbar dabei und unterstützte die Kinder.

„Der Kletterer vertraut darauf, dass unten jemand aufmerksam ist“, sagte sie. „Und der Sichernde übernimmt Verantwortung.“

Diesmal hörte Wiralo sehr genau zu.


Endlich durfte er klettern.

„Partnercheck?“, fragte Mara.

Gailino und Wiralo kontrollierten gemeinsam noch einmal alles.

Mara überprüfte ebenfalls.

„Bereit?“

Wiralo grinste.

„Schon lange!“

Er setzte den ersten Fuß auf den Felsen.

Dann den zweiten.

Er griff nach oben.

Noch ein Griff.

Noch ein Schritt.

Das ging ja wunderbar!

„Seht ihr?“, rief er nach unten. „Ich kann das!“

„Wiralo“, sagte Mara, „ruhig weiter.“

Doch Wiralo hatte schon den nächsten Griff entdeckt.

Er streckte sich.

Fast.

Nur noch ein kleines Stück.

Er drückte sich mit aller Kraft nach oben.

Sein Fuß rutschte weg.

Für einen winzigen Augenblick war da nichts.

Kein Fels unter seinem Fuß.

Kein Griff in seiner Hand.

Nur Luft.

„Huch!“

Dann spannte sich das Seil.

Wiralo hing im Gurt.

Unten war sein Sicherungspartner aufmerksam am Seil. Mara stand unmittelbar daneben und hatte alles im Blick.

Wiralo schaukelte ein wenig.

Er sah nach unten.

Das war plötzlich ziemlich weit.

„Alles gut?“, fragte Mara.

Wiralo nickte.

Sein Herz klopfte.

Diesmal nicht vor Abenteuerlust.

Zumindest nicht nur.

Er blickte hinunter.

Da stand jemand und hielt sein Seil.

Jemand hatte aufgepasst.

Und Wiralo begriff plötzlich, was Mara gemeint hatte.

Klettern war etwas, das man gemeinsam tat – auch wenn nur einer am Felsen hing.


Mara ließ ihn wieder an die Wand.

„Noch einmal.“

Wiralo stellte den Fuß sorgfältig auf den Felsen.

Diesmal prüfte er den Halt.

Dann suchte er mit den Augen nach einem Griff.

Er griff hin.

Erst danach bewegte er den nächsten Fuß.

Plötzlich fühlte sich das Klettern ganz anders an.

Nicht langsamer.

Genauer.

Er bemerkte kleine Unebenheiten im Stein.

Er spürte, wie viel Gewicht ein Fuß tragen konnte.

Er merkte, dass nicht immer der höchste Griff der beste war.

Und er wusste:

Unten war jemand, der aufmerksam blieb.

Das gab ihm keinen Grund, unvorsichtig zu werden.

Im Gegenteil.

Es gab ihm Ruhe.


Als Wiralo schließlich oben ankam, setzte er sich auf einen sicheren Absatz.

Unter ihm lag das Gailtal.

Die Wiesen wirkten plötzlich wie grüne Teppiche.

Die Gail glitzerte zwischen den Bäumen.

Weiter hinten standen die Berge.

Wiralo war ganz still.

Mara, die in seiner Nähe war, sah ihn erstaunt an.

„Keine nächste Herausforderung?“

Wiralo grinste.

„Gleich.“

Dann blickte er noch einmal hinaus.

„Von hier oben sieht man ziemlich viel.“

„Das sieht man manchmal auch unterwegs“, sagte Mara.

Wiralo nickte langsam.

Das musste er sich merken.


Später durfte Gailino klettern.

Nun war Wiralo beim Sichern an der Reihe – natürlich unter Maras genauer Anleitung.

Vorher machten die Brüder gemeinsam den Partnercheck.

„Gurt?“

„Passt.“

„Knoten?“

„Passt.“

„Sicherung?“

Mara kontrollierte noch einmal.

„Passt.“

Gailino begann zu klettern.

Wiralo hielt das Seil aufmerksam und beobachtete seinen Bruder.

Nach einer Weile rief er:

„Nicht zu schnell!“

Gailino blieb stehen.

„Wer bist du, und was hast du mit meinem Bruder gemacht?“

„Sehr lustig.“

Gailino suchte den nächsten Griff.

„Und jetzt?“

Wiralo sah nach oben.

„Erst schauen.“

Gailino prüfte seinen Stand.

„Dann prüfen.“

Er setzte den Fuß sorgfältig.

„Und dann?“

Wiralo grinste.

„Dann Abenteuer!“


Am Ende des Tages waren Wiralos Arme müde, seine Beine schwer und sein Gesicht strahlte.

Er hatte einen hohen Felsen bezwungen.

Aber das war gar nicht das Wichtigste gewesen.

Er hatte etwas entdeckt, das für einen Wiralo beinahe noch schwieriger war:

Mut bedeutet nicht, möglichst schnell loszustürmen.

Manchmal bedeutet Mut, genau hinzusehen, zuzuhören und sich auf einen anderen verlassen zu können.

Und manchmal bedeutet Mut auch, unten zu stehen, aufmerksam das Seil zu halten und Verantwortung für jemanden zu übernehmen.

Auf dem Heimweg lief Wiralo natürlich wieder vorne.

Sehr weit vorne.

Aber als Gailino plötzlich rief:

„Schau einmal, Wiralo!“

Da blieb er tatsächlich stehen.

Nur kurz.

Am Himmel über dem Gailtal zog ein großer Vogel seine Kreise.

Wiralo schaute ihm nach.

Dann lächelte er.

„Schön.“

Und kaum hatte er das gesagt, sauste er wieder los.

Schließlich wartete bestimmt irgendwo schon das nächste Abenteuer.

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INFO

Klettern für Kinder und Familien im Gailtal

Informationsstand: 22. August 2026.
Kurse, Öffnungszeiten, Altersgrenzen und geführte Programme können sich kurzfristig ändern – insbesondere wetterbedingt oder saisonal. Deshalb bitte vor einem Besuch die aktuellen Angaben des jeweiligen Veranstalters prüfen.

Hermagor

Beim Kletterzentrum Hermagor bietet die Sektion Hermagor des Österreichischen Alpenvereins Kinderklettern an. Im zuletzt veröffentlichten Programm findet das Training mittwochs statt: von 17 bis 18 Uhr für Kindergarten- und Volksschulkinder, anschließend von 18 bis 19 Uhr für Mittelschüler. In den Ferien pausiert dieses regelmäßige Kindertraining. Für besonders motivierte Volksschulkinder gibt es zusätzlich die Trainingsgruppe „Spiderkids“, in der gezielt Klettertechniken und Bewegungsformen geübt werden. 

Außerdem gibt es den Kurs „Eltern sichern – Kinder klettern“. Erwachsene lernen dabei unter anderem Toprope-Sichern, Knoten und Partnercheck, während auch spielerische Übungen für Kinder dazugehören. 

Derzeit wichtig: Wegen Sanierungsarbeiten sind Kletterhalle und Boulderraum in Hermagor aktuell bis auf Weiteres geschlossen. Der Alpenverein kündigt eine Wiedereröffnung auf seiner Website an, sobald ein Termin feststeht. 

Wie stark Kinderklettern in der Region bereits verankert ist, zeigte auch der Gailtaler Kinderklettertag im Jänner 2026: 85 Kinder zwischen vier und vierzehn Jahren nahmen an sechs unterschiedlichen Kletter- und Geschicklichkeitsstationen teil. 

Kötschach-Mauthen

Kötschach-Mauthen bietet besonders viele Möglichkeiten, Klettern draußen am Fels kennenzulernen. Im Schnupperklettergarten können laut Tourismusinformation bereits Kinder ab etwa vier Jahren unter Anleitung erfahrener Bergführer erste Erfahrungen sammeln. Rund um Mauthen und den Plöckenpass gibt es außerdem Klettergärten, Klettersteige und Übungsmöglichkeiten verschiedener Schwierigkeitsgrade. 

Besonders familienfreundlich ist im Sommer 2026 das Familienklettern am Felsentor. Es läuft laut aktuellem Veranstaltungsprogramm vom 9. Juni bis 29. September 2026 jeweils dienstags von 10 bis 13 Uhr. Dabei können Familien erste Klettererfahrungen sammeln, einen Klettersteig ausprobieren, eine Seilrutsche benutzen und sich abseilen – unter professioneller Betreuung. 

Auch im Alpenvereinszentrum in Mauthen gibt es viel Infrastruktur für junge Bergsportler: einen Boulderturm, einen Kinder- und Jugendhochseilgarten mit 22 Übungen, Klettergärten sowie mehrere Klettersteige. Die Alpenvereinsjugend beschreibt ihr Ziel ausdrücklich so, Kinder vom Bouldern über den Klettergarten schrittweise an den Bergsport heranzuführen. 

Im Bergsteigerdorf gibt es außerdem einen Boulderpoint, für den Kinder bis 13 Jahre eigene Tarife haben. 

Oberes Gailtal – St. Daniel

Eine weitere Indoor-Möglichkeit ist das KLE-SCH Kletter- und Schießzentrum Sankt Daniel bei Dellach im Gailtal. Die Halle verfügt laut regionaler Beschreibung über rund 100 Kletterrouten von UIAA 4 bis 8c+ sowie etwa 70 Boulderprobleme; ausdrücklich genannt werden auch Möglichkeiten für erstes „Höhentraining“ von Kindern. 

Lesachtal

Auch das Lesachtal wirbt ausdrücklich mit Kletterangeboten für Familien und Nachwuchs. Leichte Routen und familienfreundlich angelegte Kletterbereiche sollen Kindern einen spielerischen Einstieg ermöglichen; außerdem wird nach Angaben der Tourismusregion regelmäßig betreutes Familienklettern angeboten. 

Ein konkreter Platz ist der Tuffbad Klettergarten. Daneben gibt es in St. Lorenzen das Alpenverein Austria – Kletterzentrum St. Lorenzen/Lesachtal.

Für Kinder mit ersten Erfahrungen kann auch der Millnatzenklamm-Klettersteig interessant sein. Die offizielle Lesachtal-Seite beschreibt ihn als leichten Schluchtklettersteig, der auch für größere Kinder und Anfänger geeignet ist. Gleichzeitig wird ausdrücklich empfohlen, vor jeder Tour die aktuelle Begehbarkeit und die Wetterlage zu prüfen.