
Am Waldrand, dort, wo die Wiese ganz weich wurde und die ersten Bäume ihre Schatten über das Gras legten, wohnte ein kleines Hundchen namens Mikki.
Es hatte ein weiches Fell, treue Augen und einen Schwanz, der sich eigentlich immerzu bewegen wollte.
Es war ein fröhliches Hundchen.
Nur eines fehlte ihm:
Freunde.
Sein Herrchen war ein lieber Mann. Er hatte das Hundchen sehr gern und kümmerte sich gut um es. Doch das Gehen fiel ihm schwer. Deshalb konnte er nur kleine Spaziergänge machen. Meistens gingen die beiden ein Stück den Weg hinunter, setzten sich auf eine Bank und machten sich danach langsam wieder auf den Heimweg.
Das Hundchen trottete dann brav neben ihm her.
Aber wenn es auf der Wiese andere Hunde herumtollen sah, blieb es manchmal stehen und schaute ihnen sehnsüchtig nach.
„Ach, wenn ich doch auch jemanden zum Spielen hätte …“
Dann ließ es den Kopf ein wenig hängen.
Sein Herrchen bemerkte das.
„Du bist ein gutes Hundchen“, sagte er und kraulte es hinter den Ohren. „Ich wünschte, ich könnte dir mehr von der Welt zeigen.“
Das Hundchen leckte ihm über die Hand.
Es wusste ja, dass sein Herrchen es liebte.
Und trotzdem blieb dieser kleine Wunsch in seinem Herzen.
🌿 Ein Rascheln am Waldrand
Eines Tages, als die beiden wieder ihre kleine Runde machten, hörte das Hundchen plötzlich etwas.
Raschel.
Es blieb stehen.
Raschel, raschel.
Am Waldrand bewegte sich etwas zwischen den Gräsern.
Das Hundchen spitzte die Ohren.
Sein Herrchen konnte nichts erkennen.
„Was hast du denn?“
Das Hundchen wedelte.
Und dann kam ein kleines Wesen aus dem hohen Gras hervor.
Es war Reo.
Hinter ihm lugte Lillibella hervor, deren bunte Schleifen im Sonnenlicht leuchteten.
Und gleich darauf kam Condi.
„Psst!“, flüsterte Condi. „Nicht erschrecken!“
Das Hundchen legte den Kopf schief.
Es hatte noch nie solche Wesen gesehen.
Reo setzte sich vorsichtig ins Gras.
„Hallo.“
Das Hundchen machte:
Wuff!
Reo grinste.
„Ich glaube, das war ein Hallo.“
Lillibella kicherte.
„Dann sag doch auch Hallo!“
Das Hundchen schnupperte vorsichtig an Reo.
Dann an Lillibella.
Dann an Condi.
Und plötzlich begann sein Schwanz so heftig zu wedeln, dass sein ganzes Hinterteil mitwackelte.
Die drei LICHTIs mussten lachen.
„Du bist ja ein lustiges Hundchen!“
🌼 Die erste Freundschaft
Am nächsten Tag kam das Hundchen wieder an den Waldrand.
Es setzte sich hin und wartete.
Und tatsächlich:
Da kamen sie.
Reo.
Lillibella.
Condi.
Und diesmal war auch Gailino dabei.
„Wir haben uns überlegt“, sagte Gailino, „dass du vielleicht einen Spielplatz brauchst.“
Das Hundchen sprang auf.
Ein Stöckchen lag im Gras.
Es schnappte es sich und flitzte davon.
Die LICHTIs sausten hinterher.
Über die Wiese.
Um einen großen Stein.
Durch die Blumen.
Und wieder zurück.
Das Hundchen raste im Kreis und die kleinen LICHTIs flogen hinterher.
„Schneller!“, rief Condi.
„Ich bin schon schnell!“, rief Reo.
„Du bist gar nicht schnell!“, lachte Lillibella.
Und so wurde aus einer stillen Wiese plötzlich ein fröhlicher kleiner Wirbelwind.
💛 Ein Herrchen wundert sich
Von seinem Fenster aus sah das Herrchen, was draußen geschah.
Er traute seinen Augen kaum.
Sein Hundchen rannte über die Wiese.
Es sprang.
Es drehte sich im Kreis.
Es bellte vor Freude.
Und manchmal blieb es mitten im Lauf stehen, schaute zu den unsichtbaren kleinen Freunden und sprang gleich wieder los.
Das Herrchen lächelte.
„Was ist denn bloß mit dir passiert?“
Er sah, wie glücklich sein Hundchen war.
Und obwohl er nicht wusste, wer oder was seine neuen Freunde waren, spürte er:
Da draußen war etwas Gutes geschehen.
Von diesem Tag an ging das Hundchen jeden Tag ein Stückchen voraus, wenn sie ihre kleine Runde machten.
Denn es wusste:
Am Waldrand warteten seine Freunde.
🌧️ Auch an den kleinen Tagen
Natürlich gab es Tage, an denen das Herrchen nur bis zur nächsten Bank gehen konnte.
Dann war das Hundchen manchmal enttäuscht.
Es setzte sich neben ihn und schaute zur Wiese.
Aber eines Nachmittags hörte es plötzlich ein leises Kichern hinter dem Gartenzaun.
„Psst!“
Das Hundchen sprang auf.
Da standen Reo, Lillibella und Condi.
„Heute kommen wir zu dir!“
Und schon ging es los.
Die LICHTIs spielten mit dem Hundchen im Garten.
Sie versteckten sich hinter den Blumen.
Das Hundchen suchte sie.
Reo flog ein kleines Stück voraus.
Das Hundchen lief hinterher.
Lillibella hielt eine Blüte hoch.
Das Hundchen wollte sie unbedingt beschnuppern.
Und Condi behauptete:
„Ich kann schneller rennen als du!“
Das Hundchen sah ihn an.
Dann rannte es los.
Condi flog hinterher.
„Das zählt nicht!“, rief er lachend.
Das Herrchen saß auf seiner Bank und beobachtete alles.
Und wieder musste er lächeln.
✨ Ein kleines Geheimnis
So vergingen die Tage.
Das Hundchen wurde immer fröhlicher.
Und sein Herrchen wurde ebenfalls fröhlicher.
Er konnte nicht verstehen, warum sein Hund plötzlich so viele Freunde hatte.
Manchmal sah er nur ein paar Grashalme, die sich bewegten.
Oder ein kleines Glitzern zwischen den Blumen.
Oder hörte ein leises Kichern.
„Na, du hast wohl deine eigenen Geheimnisse“, sagte er zu seinem Hundchen.
Das Hundchen legte den Kopf auf sein Knie.
Wuff.
🌳 Professor Wurzelbart
Eines Tages trafen sich die LICHTIs wieder am Waldrand.
Sie hatten gerade mit dem Hundchen gespielt, als plötzlich ein tiefes Räuspern aus dem Gebüsch kam.
„Hm-hm!“
Alle drehten sich um.
Dort stand Professor Wurzelbart.
Mit seinem großen Bart, seinem klugen Blick und seinem unvermeidlichen kleinen Bündel unter dem Arm.
Er hatte alles beobachtet.
„Nun“, sagte er, „ich habe euch etwas zu sagen.“
Die LICHTIs wurden ganz still.
Professor Wurzelbart sah zum Hundchen.
Dann zu den LICHTIs.
„Ihr habt etwas sehr Wichtiges getan.“
Condi setzte sich gerader hin.
„Was denn?“
Der Professor lächelte.
„Ihr habt bemerkt, dass jemand einsam war.“
Er strich sich durch den Bart.
„Und ihr habt nicht einfach gesagt: Das ist schade.“
Seine Augen wurden warm.
„Ihr habt etwas getan.“
Lillibella lächelte.
Professor Wurzelbart nickte.
„Ihr habt einem kleinen Hundchen das geschenkt, was jeder von uns braucht.“
Reo fragte leise:
„Was?“
Der Professor antwortete:
„Das Gefühl, nicht allein zu sein.“
Da kam das Hundchen herbei und legte seine Pfote auf den Schuh des Professors.
Professor Wurzelbart sah hinunter.
„Und dir“, sagte er, „scheint es ausgesprochen gut zu gehen.“
Das Hundchen wedelte.
Die LICHTIs lachten.
Und dann rannte es wieder los.
Alle hinterher.
Über die Wiese.
Unter den Bäumen.
Durch das goldene Abendlicht.
Und irgendwo oben zwischen den Blättern flüsterte der Wind:
Manchmal braucht es gar nicht viel, um ein kleines Herz glücklich zu machen.
Ein bisschen Zeit.
Ein bisschen Aufmerksamkeit.
Ein bisschen gemeinsames Spielen.
Und jemanden, der sagt:
„Komm. Du gehörst zu uns.“
Seit diesem Tag war das kleine Hundchen am Waldrand nie mehr allein. 💛
