Drei Freunde von 2008 – und ein Buch, das auf sie gewartet hat (Milwabinga)

Über alte Zeichnungen, neue Möglichkeiten und einen unerwartet schöpferischen Tag

Manchmal liegen Ideen jahrelang still. Nicht, weil sie vergessen wären. Vielleicht warten sie einfach auf den richtigen Augenblick.

Im Jahr 2008 zeichnete ich drei sonderbare, fröhliche Wesen. Bunt, ein wenig schräg, mit Antennen, Zacken und eigenwilligen Körperformen. Ich nannte das Blatt schlicht „3 Friends“ und signierte es mit „Gia 2008“.

Achtzehn Jahre später holte ich diese Zeichnung wieder hervor.

Ich wollte zunächst nur ausprobieren, wie meine drei Figuren dreidimensional aussehen könnten. Die künstliche Intelligenz half mir, sie aus der Fläche herauszuholen, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren.

Und dann geschah etwas Unerwartetes.

Die drei bekamen Namen: Wirnu, Koraly und Tifannu. Sie wurden Bewohner eines fernen Planeten namens Milwabinga, Angehörige einer friedlichen, neugierigen und musikalischen Zivilisation.

Aus einer Bildidee entstand eine Geschichte.

Aus der Geschichte wurde eine Reise zur Erde.

Und aus der Reise entwickelte sich ein Kinderbuch mit zwölf Kapiteln.

Als die Figuren zu erzählen begannen

Die drei Milwabingas wollten die Menschen kennenlernen. Vor allem wollten sie verstehen, wie Hilfsbereitschaft auf der Erde funktioniert.

Auf ihrem Heimatplaneten ist Helfen selbstverständlich. Auf der Erde mussten sie feststellen, dass gute Absichten nicht immer gute Folgen haben.

Manchmal hilft man am besten, indem man zuerst zuhört. Manchmal genügt ein Hinweis. Manchmal muss man eine Grenze respektieren. Und manchmal ist es sogar richtig, Nein zu sagen.

Drei Menschenkinder wurden ihre Freunde und Lehrer.

Doch das Buch blieb nicht bei diesen kleinen und großen Fragen des Zusammenlebens stehen.

Die Milwabingas musizieren leidenschaftlich gern. Bald entdeckten die Kinder verblüffende Ähnlichkeiten mit Mozart und hawaiianischer Musik.

Daraus entstanden fantastische Geschichten über außerirdische Wanderkomödianten im Europa des 18. Jahrhunderts, über einen jungen Mozart, über einen Vulkan auf Hawaii und einen beinahe vergessenen Tanz.

Natürlich ist das Fantasie. Aber sie eröffnet Zugänge zu wirklicher Geschichte, Naturwissenschaft und Kultur.

So kamen nach und nach auch kleine Wissens-Infoboxen hinzu.

Ein Buch, das man hören kann

Während die Kapitel entstanden, experimentierte ich mit Musik.

Wie klingt eine Landung auf der Erde? Wie hört sich das Staunen dreier fremder Wesen an, die zum ersten Mal einem Murmeltier begegnen? Und welche Musik entsteht, wenn Rokoko, außerirdische Fantasie und ein Hauch Hawaii zusammentreffen?

Nicht jeder Versuch gelang. Manche Stücke waren zu hektisch, andere zu süßlich, wieder andere musikalisch interessant, aber für die jeweilige Szene ungeeignet.

Doch allmählich fanden sich Klänge, die zu den Figuren passten.

So entwickelte sich neben dem illustrierten Buch beinahe unbemerkt eine musikalische Begleitwelt.

Was daran für mich besonders ist

Ich habe mein Leben lang gezeichnet, geschrieben, musiziert und Ideen entwickelt. Viele Entwürfe warten noch immer darauf, weitergeführt zu werden.

Die drei Freunde von 2008 waren einer davon.

Dass sie nun, achtzehn Jahre später, innerhalb eines einzigen Tages zu den Hauptfiguren eines vollständigen Buchentwurfs werden konnten, berührt mich.

Dabei ist mir eines wichtig: Die ursprünglichen Figuren, ihre Eigenart, ihre Welt und die inhaltlichen Entscheidungen stammen aus meiner Vorstellung. Die künstliche Intelligenz wurde zum Werkzeug und zum kreativen Gegenüber – sie half beim Formulieren, Strukturieren, Variieren und Illustrieren.

Ich musste auswählen, korrigieren, widersprechen und immer wieder darauf bestehen, dass meine drei Freunde auch wirklich meine drei Freunde blieben.

Gerade darin liegt für mich das Interessante an dieser neuen Form des Arbeitens.

Sie ersetzt nicht die Fantasie. Sie kann ihr aber eine erstaunliche Beweglichkeit geben.

Und nun?

Nun liegt ein vollständiger erster Entwurf vor: zwölf Kapitel, eine Einführung in Milwabinga, zahlreiche Bilder, Wissenswertes für Kinder und Musik.

Dazu sind auch mehrere Musikstücke entstanden und vermutlich kommen noch welche hinzu.

Das Buch braucht noch sorgfältige redaktionelle Arbeit. Figuren, Bilder und Texte müssen aufeinander abgestimmt, kleine Unstimmigkeiten bereinigt und die Seiten gestaltet werden.

Aber die Geschichte ist da.

Und ich stelle mir vor, wie meine drei bunten Wesen von 2008 mich heute ansehen und sagen:

„Na endlich! Wir haben uns schon gefragt, wann es losgeht!“

Lygia Simetzberger
18. Oktober 2026